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a:absenz1-7877 [2012/08/30 16:58]
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a:absenz1-7877 [2021/11/19 11:09] (aktuell)
Martin Platte
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 <p>von lat.: <em>absentia</em> = Abwesenheit<br /><br />Absenzen im Film lassen sich auf verschiedenen Ebenen verorten: <em>innerhalb</em> und <em>au&szlig;erhalb </em>der Kadrage und in der Montage. Innerhalb der Kadrage kann Absenz als Nicht-Sichtbares &ndash; Unsichtbares, Verdecktes, Verstecktes, Leeres &ndash; oder Spur ausgemacht werden. Au&szlig;erhalb ist die Darstellung zeitlicher Aspekte ein weiterer Bestandteil: das <em>Vorher</em> und <em>Nachher</em>, das <em>Noch-Nicht-Sichtbare</em> und das <em>Nicht-Mehr-Sichtbare</em>. Das Abwesende ist zugleich anwesend, sonst k&ouml;nnte es nicht als abwesend erfahren werden. Das Absente ist in diesem ersten Sinne als Element der dargestellten Welt lediglich als Spur im Bild pr&auml;sent und muss entweder vom Zuschauer rekonstruiert bzw. antizipiert oder von den folgenden Einstellungen verifiziert werden.<br />Absenzen bezeichnen allerdings in einem weiteren Sinne vor allem den <em>hors champ</em>, diejenigen nicht sichtbaren Bereiche des Bildes, die der Selektion und Auslassung der Kadrage zum Opfer gefallen sind. Diese Bereiche lassen sich in folgende sechs R&auml;ume (oder Seiten) aufteilen: (1, 2) die beiden Seiten, (3) das Ober- und (4) das Unterhalb des Bildfeldes sowie die R&auml;ume (5) hinter der Kulisse und (6) hinter der Kamera, aber vor der Leinwand (siehe dazu auch Oudarts Theorie der <em>suture</em>). Weitere Elemente der Abwesenheit bilden die Leere (bzw. die leere Einstellung) und der akusmatische Ton. W&auml;hrend ersteres ein menschenleeres Bildfeld als siebten <em>hors-champ</em> beschreibt, dessen Leere auf das absolute Off verweist, beschreibt das zweite die besondere Erscheinungsform der Abwesenheit in der akustischen Darstellung des Films.<br />Die filmische Leerstelle l&auml;sst sich abschlie&szlig;end <em>zwischen </em>den Bildern verorten: im Schnitt. Ebenso kann die temporale Ellipse zwischen den Bildern verortet werden: Die Auslassung von Handlung und Zeit.<br /><br />Literatur: Adachi-Rabe, Kayo: <em>Abwesenheit im Film. Zur Theorie und Geschichte des hors-champ</em>. M&uuml;nster: Nodus Publikationen 2005. &ndash; Iser, Wolfgang: <em>Der Akt des Lesens</em>. M&uuml;nchen: Fink 1994. &ndash; Liptay, Fabienne: Leerstellen im Film. Zum Wechselspiel von Bild und Einbildung.&nbsp; In: Koebner, Thomas &amp; Meder, Thomas (Hg.): <em>Bildtheorie und Film</em>. M&uuml;nchen: edition text + kritik 2006, S. 108-134.&nbsp;</p></HTML> <p>von lat.: <em>absentia</em> = Abwesenheit<br /><br />Absenzen im Film lassen sich auf verschiedenen Ebenen verorten: <em>innerhalb</em> und <em>au&szlig;erhalb </em>der Kadrage und in der Montage. Innerhalb der Kadrage kann Absenz als Nicht-Sichtbares &ndash; Unsichtbares, Verdecktes, Verstecktes, Leeres &ndash; oder Spur ausgemacht werden. Au&szlig;erhalb ist die Darstellung zeitlicher Aspekte ein weiterer Bestandteil: das <em>Vorher</em> und <em>Nachher</em>, das <em>Noch-Nicht-Sichtbare</em> und das <em>Nicht-Mehr-Sichtbare</em>. Das Abwesende ist zugleich anwesend, sonst k&ouml;nnte es nicht als abwesend erfahren werden. Das Absente ist in diesem ersten Sinne als Element der dargestellten Welt lediglich als Spur im Bild pr&auml;sent und muss entweder vom Zuschauer rekonstruiert bzw. antizipiert oder von den folgenden Einstellungen verifiziert werden.<br />Absenzen bezeichnen allerdings in einem weiteren Sinne vor allem den <em>hors champ</em>, diejenigen nicht sichtbaren Bereiche des Bildes, die der Selektion und Auslassung der Kadrage zum Opfer gefallen sind. Diese Bereiche lassen sich in folgende sechs R&auml;ume (oder Seiten) aufteilen: (1, 2) die beiden Seiten, (3) das Ober- und (4) das Unterhalb des Bildfeldes sowie die R&auml;ume (5) hinter der Kulisse und (6) hinter der Kamera, aber vor der Leinwand (siehe dazu auch Oudarts Theorie der <em>suture</em>). Weitere Elemente der Abwesenheit bilden die Leere (bzw. die leere Einstellung) und der akusmatische Ton. W&auml;hrend ersteres ein menschenleeres Bildfeld als siebten <em>hors-champ</em> beschreibt, dessen Leere auf das absolute Off verweist, beschreibt das zweite die besondere Erscheinungsform der Abwesenheit in der akustischen Darstellung des Films.<br />Die filmische Leerstelle l&auml;sst sich abschlie&szlig;end <em>zwischen </em>den Bildern verorten: im Schnitt. Ebenso kann die temporale Ellipse zwischen den Bildern verortet werden: Die Auslassung von Handlung und Zeit.<br /><br />Literatur: Adachi-Rabe, Kayo: <em>Abwesenheit im Film. Zur Theorie und Geschichte des hors-champ</em>. M&uuml;nster: Nodus Publikationen 2005. &ndash; Iser, Wolfgang: <em>Der Akt des Lesens</em>. M&uuml;nchen: Fink 1994. &ndash; Liptay, Fabienne: Leerstellen im Film. Zum Wechselspiel von Bild und Einbildung.&nbsp; In: Koebner, Thomas &amp; Meder, Thomas (Hg.): <em>Bildtheorie und Film</em>. M&uuml;nchen: edition text + kritik 2006, S. 108-134.&nbsp;</p></HTML>
  
 +von: [[:kruse|Patrick Kruse]]