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Akkordeon

auch: Ziehharmonika, Schifferklavier, Quetschkommode

Das Akkordeon ist ein chromatisches Balginstrument. Seine Entwicklung erfolgte im Wesentlichen in den 1820ern in Berlin und Wien. Es ist durch seine milieugeprägte Verwendung ein stark assoziationsbeladenes Instrument, das bis auf den heutigen Tag eine ungebrochene filmische Karriere aufweisen kann, in allen seinen Varianten: als französisch anmutendes Accordéon musette , als   Garmoschka – einer russischen Spielart des Knopf-Akkordeons – als  Begleitinstrument für melancholische (Walzer-) Lieder, als Piano-Akkordeon („Schifferklavier“) in allen Hafenkneipen der Welt oder als Bandoneon untrennbar mit den Tango-Filmen verbunden. Mitunter fungiert das Akkordeon auch als ein bestimmender Faktor der Filmhandlung, in der das Akkordeonspiel vor drakonischer Strafe (wie in Vokzal dlya dvoikh / Bahnhof für zwei , 1982) und vor dem Tod ( Kornblumenblau , 1989) bewahrt oder einen Ausweg aus der Verlorenheit trister Lebensumstände ( Schultze Gets the Blues , 2003) schafft.

Außer diesen vielfältigen „Musik im Bild“-Einsätzen wird im non-diegetischen Modus die charakteristische Klangfarbe des Akkordeons auch als herausgehobener Part eines speziellen Orchestersounds wie z.B. in der Anfangsszene des sowjetischen Films Letyat zhuravli ( Wenn die Kraniche ziehen , 1957) genutzt oder als Soloinstrument mit seinem melancholisch-plebejischen Ton wie im DEFA-Film Der verlorene Engel (1966) kontrastierend zur volltönenden Orgel-Toccata beim Rundschwenk der Kamera um den Dom von Güstrow eingesetzt. Und nur ein Akkordeon konnte jene Mischung aus desillusionierender Nüchternheit und Elegie in einem Walzer zum Klingen bringen, der im DEFA-Film Die Architekten (1990) jene Szene vor dem Mauerfall begleitet, in der ein Sichtkontakt zwischen Vater und Tochter diesseits und jenseits des Brandenburger Tores nur aus weiter Ferne möglich war.

Groteske Verwendungen des Akkordeons sind selten. Dazu gehört sicher Out There ( Aliens, Akkordeons und jede Menge Ärger , 2012), in dem der Klang des Akkordeons zur Entlarvung von Aliens in Menschengestalt dient, die den penetranten Ton des Instruments nicht ertragen können.

von: Wolfgang Thiel