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Autorenfilm: Frühzeit

Mit der Benennung „Autorenfilm“ ist vor 1914 ein Werk gemeint, welches auf der Vorlage eines dramatischen oder epischen Autors beruht. Frankreich kreierte den Autorenfilm im Januar 1908: Paul Lafitte gründete die bald von Vaudeville-Autor Paul Gavault übernommene Produktionsgesellschaft Film d'Art, deren Filme von Pathé frères vertrieben werden. Namen wie Henri Lavedan (L'assassinat du duc de Guise) und Jules Lemaître (Le retour d'Ulysse) gehören zu den ersten umworbenen Literaturgrößen. Das Interesse am „Autorenfilm“, in Frankreich „film d'art“ (Kunstfilm) genannt, verschwand bereits 1909 wieder. Der deutsche Regisseur Heinrich Bolten-Baeckers und die Berliner Pathé-Filiale probierten 1909, im Deutschen Reich den Kunstfilm einzuführen, doch scheiterten sie am Desinteresse der Umworbenen. Erst ein zweiter Versuch um 1912/13 gelang: Autoren wie Bernhard Kellermann (Der Tunnel), Hanns Heinz Ewers (Der Student von Prag), Paul Lindau (Der Andere) und Hermann Sudermann (Der Katzensteg) ließen ihre Werke ebenso verfilmen wie Hugo von Hofmannsthal (Den Okäna – Das fremde Mädchen), Gerhard Hauptmann (Atlantis) und Arthur Schnitzler (Elskovsleg – Liebelei). Die Filmstudios versprachen sich durch das Engagement bekannter, als seriös geltender, noch lebender Dramatiker und Romanciers z.B. ein verbessertes Ansehen des Kinos, eine hohe Anziehungskraft der Werke auf Besucherschichten, die bis dahin das Lichtspielhaus mieden, sowie die Aufmerksamkeit der Presse (die den Film bis dahin als „nicht besprechenswert“ erachtete) und somit kostenlose Werbung. Dafür waren sie bereit, hohe Honorare zu zahlen. Die Angesprochenen reizte das Geld, einige sicher auch die Neuheit des Mediums, dessen ästhetische Regeln (u.a. Aktionen statt Dialoge) sie berücksichtigen mussten, dessen Potential (z.B. schnelle Ortswechsel, Inszenierung an Originalschauplätzen) sie aber zu schätzen wussten. Schon vor dem Ersten Weltkrieg endete diese Innovationsbestrebung. Trotz der ausführlichen Würdigung durch die Filmkritik und -wissenschaft blieb der Autorenfilm zahlenmäßig gesehen unbedeutend, auch da er der Filmindustrie laut Helmut H. Diederichs nicht den versprochenen finanziellen Gewinn bringt.
 

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