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bad girl

engl., = „böses Mädchen“

Der Figurentypus des „bösen Mädchens“ ist alt (sollte aber nicht mit dem Stereotyp der „bösen Hexe“ oder dem dramatischen Typus der femme fatale verwechselt werden). Bis in die 1950er hinein wurde jugendlich-weibliche Auflehnung, Trotzköpfigkeit oder Rebellentum narrativ bestraft oder in die domestizierten Formen weiblicher Identität als Ehefrau und Mutter überführt. Insbesondere Wildfang- oder Trotzkopf-Figuren wie Pippi Langstrumpf (aus den Kinderbüchern Astrid Lindgrens), aber auch die Esmeralda aus Victor Hugos Glöckner von Notre Dame oder die Carmen aus der gleichnamigen Oper von Bizet lebten die Attraktivität einer souverän ausgelebten, zudem sexuell selbstbewussten, widerständigen Jugend-Weiblichkeit vor; zudem ist die Figur in dem dramaturgischen Doppel good-girl/bad-girl vielfach durchgespielt worden. Erst mit Exploitation-Filmen wie Russ Meyers Faster, Pussycat! Kill! Kill! (USA 1965) kam es in den 1960ern zu einer dramaturgischen Neubewertung der Figur, die nun selbstbestimmt in meist männlich vorgeprägten Rollenklischees agierte. Es waren von nun an nicht mehr pubertierende Mädchen, sondern meist junge Frauen, die aus allen Rollenklischees ausbrachen (und in aller Regel in die Kriminalität gerieten). Mit der Frauenbewegung um 1970 kam es (vor allem in der BRD) zu einer weiteren Umbewertung, die Frauen dieser Filme setzten sich selbst zum Subjekt und nahmen die Suche nach einer neuen, genuin weiblichen, selbstbestimmten und nicht dem Diktat einer als fremd empfundenen Norm unterworfenen sozialen Identität auf.
Heute finden sich bad girls vor allem in allen Abschattungen des Kriminalfilms (wie etwa in den Thrillern Something Wild, USA 1986, Jonathan Demme, oder Basic Instinct, USA 1992, Paul Verhoeven, in dem Western Bad Girls, USA 1994, Jonathan Kaplan, in einem SF-Polizeifilm wie La Femme Nikita, Frankreich 1990, Luc Besson, oder in einem Martial-Arts-Hybrid wie Kill Bill I/II, USA 2003-04, Quentin Tarantino). Daneben stehen aber auch Filme wie Thelma and Louise (USA 1991, Ridley Scott), die Opfer eines unaufhaltsam in Gang gebrachten Kriminalisierungsmechanismus werden.

Literatur: Berland, Elaine / Wechter, Marilyn: Fatal/Fetal Attraction: Psychological Aspects of Imagining Female Identity in Contemporary Film. In: The Journal of Popular Culture 26,3, Winter 1992, S. 35-45. – Möhrmann, Renate (Hrsg.): rebellisch‑verzweifelt‑infam. Das böse Mädchen als ästhetische Figur. Bielefeld: Aisthesis 2012. – Williams, Linda: Film Bodies. Gender, Genre, and Excess. In: Film Quarterly 44,4, Summer 1991, S. 2‑13.

Referenzen