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Barcelona-Schule

span.: Escuela de Barcelona

Als „Barcelona-Schule“ bezeichnet man eine Gruppe spanischer Filmemacher, die sich in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre gegen die von Madrid aus dominierte spanische Filmproduktion formierte. Die Opposition gründete auf mehreren Fundamenten: auf der Entgegensetzung der kastilischen Dominanz in Madrid gegen die katalanischen Traditionen in Barcelona; auf der kosmopolitischen, universalistisch und modern orientierten Kultur Barcelonas gegen die nationale und traditionalistische Orientierung Madrids; auf der Präferenz für die moderne europäische Kulturproduktion in Barcelona entgegen den restaurativ-anachronistischen nationalen Wertorientierungen der Madrilenischen Kultur. Die Barcelona-Gruppe fühlte sich inspiriert durch das New American Cinema, die europäischen neuen Wellen und ein reflexives Kino, das auch mit experimentellen Mitteln arbeitete. Als erster Film gilt Vicente Arandas Fata Morgana (1966), der durch seine komplexe politische Metaphorik auffiel. Andere Regisseure, die dem Programm der Barcelona-Schule verbunden waren – obwohl die Gruppe nie als Gruppe aufgetreten ist –, waren Carlos Durán, Jorge Grau (Una Historia de Amor, 1967), Joaquín Jordá (Cada vez que..., 1968), Jacinto Esteva Grewe (Dante no es únicamente severo, 1967) und Gonzalo Suárez. Die Zeitschrift Nuestro Cine diente eine zeitlang als Ort der Auseinandersetzung. Mit dem Misserfolg des Films Tuset Street (1968, Jorge Grau, Luis Marquina), der ein Kompromiss zwischen dem Madrilenischen Nuevo Cine Español und der Escuela de Barcelona sein sollte und vom Produzenten Ricardo Muñoz Gray als Beginn einer „Nueva escuela de Barcelona“ gepriesen wurde, kündigte sich das Ende beider Bewegungen in Madrid und Barcelona an. Die Gruppe zerfiel binnen kürzester Zeit, ihr Einfluss auf das spanische Kino blieb marginal.