Metainformationen zur Seite
  •  

Billancourt

Boulogne, ein Vorort von Paris, spielt in der Filmgeschichte eine Rolle, weil gleich zwei bedeutende französische Studios hier angesiedelt waren: das Grand Studio de Billancourt am Quai du Point du Jour und die Studios de Boulogne an der Avenue Jean-Baptiste Clément. Schon Etienne Jules Marey hatte in Boulogne-Billancourt seine Station physiologique (1885-1900), und auch die Studios der Produktionsfirma Eclipse waren von 1908-1914 in der rue de la Tourelle beheimatet.
Das Grand Studio de Billancourt wurde 1923 auf dem Gelände der ehemaligen Flugzeugfabrik Niepce&Setter gegründet; der Regisseur und Manager Henri Diamant-Berger hatte das Studio ins Leben gerufen. Der erste Film war Vingt ans après (1923) unter seiner eigenen Regie. Während der Dreharbeiten zu Napoléon war das Studio unter dem Namen Abel-Gance-Studio bekannt. Die Belegschaft bestand am Anfang (1923-1927) vor allem aus russischen Emigranten, als französisch-russische Filme mit Mosshuchin gedreht wurden und das Studio von ihnen gemietet wurde. Eine Anekdote besagt, dass zu Ehren der Russen eine Ikone in den Studios angebracht gewesen sei. Die Umrüstung auf Tonfilm ruinierte die Trägergesellschaft Braunberger-Richebé, die 1930 das Studio übernommen hatte – 1933 ging das Studio in den Besitz der Société Lauer über (bis 1944). Marc Lauer, der Besitzer, führte das Studio von 1933 bis 1944 unter dem Namen Paris Studios Cinema, wurde wegen „Collaboration“ mit den Deutschen zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt, übernahm die Leitung 1951 wieder. Braunberger blieb auch nach der Übernahme Geschäftsführer. Zu den Produktionen der Vorkriegs-Jahre rechnen Napoléon (1927, Abel Gance), La passion de Jeanne d‘Arc (1928/29, Carl-Theodor Dreyer), La grande illusion (1937, Jean Renoir) und Le jour se lève (1939, Marcel Carné). Im Zweiten Weltkrieg brachten die Deutschen die von ihnen kontrollierte Continentale in den Studios unter. Nach dem Krieg nahm man die normale Arbeit wieder auf. Zu den bekanntesten Produktionen zählen die Eddie-Constantine-Filme aus den 1950er Jahren, aber auch Filme wie Madame de... (1953, Marcel Ophüls). Nach Filmen wie Le salaire de la peur (1953), Touchez pas au grisbi (1954), Le jour le plus long - The longest day (1962), Playtime (1967) und La grande vadrouille (1966) schließt das Studio de Billancourt 1990. Auf einem Teil des Geländes befindet sich heute der Cimétière de Billancourt. In den Studios entstanden über 700 Filme.