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Bipack-Verfahren

Beim Bipack-Verfahren werden zwei Rohfilmstreifen Schicht an Schicht gleichzeitig in der Filmkamera oder in der Umkopierungsmaschine belichtet, um Spezialeffekte zu erzielen oder zwei Negative für spezifische Farbverfahren zu erstellen. Als Erfinder des Bipack-Verfahrens gelten Louis Ducos du Hauron (der 1878 über anaglyphische Photographie geschrieben und 1891 erste Patente dafür angemeldet hatte) und Adolf Gurtner, dem 1901 eine photographische Farbaufnahme auf einer Zweifarbenplatte gelang (D.R.P. 146,149, eingereicht 1902, bewilligt 1903). Die deutschen Firmen Askania und Schlechta, die amerikanischen Bell&Howell und Mitchell sowie die französischen Debrie und Pathé bauten spezielle Bipack-Kameras; meist aber wurden normale Kameras für Bipack-Aufnahmen abgeändert.
    Frühe mimetische Farbverfahren, die zwei Emulsionsschichten auf gegenliegenden Seiten enthielten, basierten oft auf Bipack-Negativen, die für verschiedene Farbspektren sensibilisiert waren (z.B. Multicolor, Polychromide, Colorcraft) . Bei der Herstellung der farbigen Filmkopien wurden die Schichten dann entsprechend eingefärbt, zum Beispiel mit Metall- oder Beiztonung. Im Dreifarbenverfahren Technicolor Nr. IV wurden der Blau- und Rotauszug auf der einen Seite des Strahlenteilers auf ein Bipack-Negativ belichtet. Für die Technicolor-Zweifarbenverfahren Nr. II und III hingegen hat man zwei aufeinanderfolgende Bilder über einen Prismenteiler mit Filter belichtet, weshalb der oft verwendete Begriff Two-Strip-Technicolor falsch ist. 

Quellen: Gurtner, Adolf: Verfahren zur Herstellung von mehrfarbigen Photographien durch Vereinigung eines blauen und eines orangegelben MonochrombildesDeutsches Reichspatent 146,149, 1903.

Literatur: Flückiger, Barbara: Zwischen Chromophobie und Farbrausch. Entwicklungslinien des frühen Technicolor. In: Connie Betz, Annike Schaefer, Rainer Rother (Hrsg.): Glorious Technicolor. Berlin: Bertz und Fischer 2015, S. 21-47. – Friedman, Joseph Solomon: History of Color Photography.Boston: The American Photographic Publishing Company 1945, S. 93. – Diverse Einträge in der Timeline of Historical Film Colors, URL: http://zauberklang.ch/filmcolors/cat/double-coated-stock/.

Referenzen