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Blick

engl.: gaze; manchmal auch: look, the look; das engl. Verb gaze – verwandt mit schwedisch mundartlich gasa ‚Blick‘ – ist seit dem Ende des 14. Jahrhunderts (Chaucer, Canterbury Tales) in der Bedeutung ‚etwas intensiv ansehen, starren‘ belegt, als Substantiv (‚langer, fester Blick‘) seit der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts

In der Sozialpsychologie meint gaze den intensiven Blick auf die Region der Augen des Gesprächspartners und gehört zu den Mitteln der nonverbalen Kommunikation. Er regelt u.a. den Sprecherwechsel (turn-taking) bei Unterhaltungen. Gegenseitiger Blickkontakt wird auch mutual gaze genannt. In der Blickmontage wird entsprechend der „ausgezeichnete Blick“ – der markierte, durch Kopf- oder Körperbewegung, durch Ton oder Musik herausgehobene Blick meist als gaze bezeichnet: Er gibt Gelegenheit, vom Blickenden zum Objekt des Blicks umzuschneiden.
Im Kino ist entscheidend, dass ein wechselseitiger Austausch von Blicken im Sinne einer direkten face-to-face-Kommunikation zwischen Film und Zuschauer nicht möglich ist, wenngleich in den Zeiten des World Wide Web Formen interpersoneller Kommunikation (bei Videokonferenzen) möglich geworden sind, die gleichsam eine screen-to-screen-Interaktion ermöglichen. Dieser Umstand verweist auf den voyeuristischen Aspekt der Kinosituation (bzw. des Kinodispositivs), der auch durch weitere Faktoren wie die Dunkelheit des Raums, die Anordnung des Projektors im Rücken des Betrachters konstituiert und befördert wird. Der Betrachtende ist gegenüber dem Objekt der Betrachtung dabei in einer privilegierten Position: Dieser sieht, ohne gesehen zu werden. Der Betrachtende ist das machtvolle Subjekt des Blicks, ohne dass er sich dieser Stellung und ihrer ideologischen Bedeutung unbedingt bewusst ist (die Apparatus-Theorien nehmen sich genau dieser Machtkonstellation der Blicke an).
Es gibt auch Ansätze zwischen den Konzepten the look und the gaze zu unterscheiden. Dem zufolge steht the gaze für eine Form der Rezeption, die eine geschlechtlich kodierte Form des Begehrens widerspiegelt, während the look einen offenen Wahrnehmungsmodus bezeichnet (Evans/Gamman 1995).

Literatur: Evans, Caroline / Gamman, Lorraine: The Gaze Revisited, Or Reviewing Queer Viewing. In: Burston, Paul / Richardson, Colin (Hg.): A Queer Romance: Lesbians, Gay Men and Popular Culture. London: Routledge 1995, S. 13-56.

Referenzen