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Britcom

auch: britische Sitcom

AlsBritcomswerden in Anlehnung an den im US-amerikanischen Kontext gebräuchlichen Sitcom-Begriff komödiantische Fernsehserien aus Großbritannien bezeichnet. Das Format entwickelt sich seit Kriegsende aus der Tradition britischer Sketch- und Radioshows (was den Schwerpunkt auf Verbalhumor festlegt) und erlebt in den 1970ern u.a. mit der von John Cleese und Connie Booth kreierten Hotelserie Fawlty Towers(1975, 1979) ihren größten Boom. Selbst in dieser ,goldenen Ära‘ treten aber nur wenige Britcoms einen Siegeszug um die Welt an, allzu sehr setzen sie Vertrautheit mit ihren soziokulturellen Milieus und historischen Zusammenhängen voraus. Das gilt u.a. für die Serie Dad’s Army(1968-1977), die von der home guardim Zweiten Weltkrieg handelt, oder für Auf Wiedersehen, Pet(1984-1986, 2002-2004), einer Britcom über ein paar in der BRD gestrandete arbeitslose Bauarbeiter aus Newcastle, an der u.a. Dick Clement und Ian La Frenais mitschrieben, zwei der umtriebigsten Britcom-Autoren.

Die Britcom wahrt häufig das Sitcom-typische Wohnzimmersetting und die Ästhetik der Studioaufnahme im Mehr-Kamera-Verfahren, führt die Zuschauer aber mit groteskem, schwarzen oder cringe-Humor häufiger aus ihrer Komfortzone. Da Britcoms selten im writers roomentwickelt werden, sondern in der Hand ihrer Schöpfer verbleiben, fallen sie weit weniger umfangreich aus. Der übliche Zyklus beträgt sechs Folgen pro Staffel, und selbst wegbereitende Shows wie The Office(2001-2003) belaufen sich auf kaum mehr als ein Dutzend Folgen. 

Literatur: Kamm, Jürgen / Birgit Neumann (eds.):British TV Comedies: Cultural Concepts, Contexts and Controversies. Basingstoke: Palgrave Macmillan 2016. – Pankratz, Anette: ,The Far Side’: Britische Sitcoms, Qualitätsdiskurse und das Populäre. In: Das andere Fernsehen: Eine Bestandsaufnahme des ,Quality Television’.Hrsg. v. Jonas Nesselhauf / Markus Schleich. Bielefeld: transcript 2016, S. 213-228.