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Dorf

auch: Dorfgeschichte; im Engl. meist: small town movie

Im Gegensatz zu Kleinstadt und Provinz meint das zumeist pejorativ gebrauchte Begriffsfeld des „Dorfes“ eine extrem kleinräumige, mikrokosmische Topografie als Schauplatz der Handlung. Dabei ist die Lage des filmischen Dorfs – oft als „Kaff“ oder „gottverlassenes Nest“ bezeichnet – in der Regel entlegen und von der Umwelt abgeschnitten. Auffallend oft – und daher problematisch, weil klischeebeladen – gilt die Mentalität seiner als hinterwäldlerisch gezeichneten Bewohner als beschränkt, zurückgeblieben und an überholten Normen festhaltend. Je nach Erzählhaltung kann diese Mentalität eine besondere Affinität zu gewaltsamen Konfliktlösungen, ja Exzessen von Gewalt aufweisen; manchmal werden die Verhaltensweisen dagegen als liebevoll-schrullig geschildert; und manchmal (wie in den Filmen Jiri Menzels, aber auch in Milos Formans Hori, ma panenko, CSSR 1967) erweist sich die soziale Enge des Dorfes als Widerstandsform gegen totalitäre Lebensvorstellungen oder gegen Modernisierungen, die die Vertrautheit und Kontrollierbarkeit des Dörflichen verloren machen könnten. 

Beispiele: Reflecting Skin (Großbritannien 1990, Philipp Ridley); Sure Fire (USA 1990, John Jost); Karniggels (BRD 1991, Detlev Buck); LiebesLuder (BRD 2000, Detlev Buck).
 

Referenzen