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dual focus narrative

auch: dual focus structure

Von einer Doppelfokus-Erzählung (dual focus narrative) spricht Rick Altman, wenn eine Erzählung nicht einem einzelnen Protagonisten folgt, sondern regelmäßig zwischen zwei Gruppen wechselt, deren Konflikt die Geschichte ausmacht. Die Gruppe spielt dabei eine wichtigere Rolle als die individuelle Figur. Beispiele für derartige Gegensätze sind etwa Mann/Frau oder arm/reich. Daraus ergeben sich in der Struktur einer solchen Erzählung Parallelen und Symmetrien, die Gegensätze werden immer wieder miteinander in Beziehung gebracht, verglichen, ausbalanciert. Die Erzählung endet, wenn beide Seiten zu einer reduziert oder verschmolzen werden, sei es durch Tod der einen Seite, sei es durch Heirat.
Doppelfokus-Erzählungen finden sich vor allem in populären Erzählungen von der Bibel bis zum Hollywood-Film. Die Filme von D.W. Griffith sind eines ihrer berühmten Beispiele, filmische Beispiele finden sich aber bis heute. Insbesondere das amerikanische Filmmusical hat die Struktur immer wieder genutzt. 

Literatur: Altman, Rick: Dickens, Griffith and Film Theory Today. In: Classical Hollywood Narrative. The Paradigm Wars. Ed. by Jane M. Gaines. Durham: Duke University Press 1998, S. 9-47. Zuerst in einem Themenheft der: South Atlantic Quarterly 88,2, Spring 1989, S. 321-359. – Altman, Rick: American Film Musical. Bloomington: Indiana University Press 1987. – Altman, Rick: The American Film Musical as Dual-Focus Narrative. In: Hollywood Musicals. The Film Reader. Ed. by Steven Cohan. London/New York: Routledge 2002, S. 41-51.