Metainformationen zur Seite
  •  

dykesploitation

auch: Dyxploitation; die Herkunft des Wortes dyke (auch: dike) in der seit den 1930er Jahren gebräuchlichen Bedeutung „(großgewachsene) Frau, die sich wie ein Mann kleidet“ ist unsicher; bereits im 19. Jahrhundert findet sich im Englischen die verbale Wendung to dike/dyke down = sich schick kleiden. Diskutiert wird aber auch eine verschleifende Kürzung aus: hermaphrodite = Zwitter

Dykesploitation ist ein Subgenre des Exploitationsfilms, das lesbische sexuelle Orientierung inszenatorisch ausschlachtet, wobei es mit Rollenspielen und expliziten Kleidungscodes arbeitet. Wichtig ist dabei, dass in solchen Filmen der maskuline, butch genannte Teil des lesbischen Paares (der feminine heißt femme) wie ein Mann angezogen ist – etwa Uniform oder uniformähnliche Kleidung trägt – und mit angeblich männlichen Attributen wie einer tendenziell sadistischen Dominanz ausgestattet wird, so dass immer eine fetischistische Komponente vorhanden ist und die eigentlichen sexuellen Handlungen häufig von einem bisexuell-transvestitischen Element begleitet werden.
Das Thema klingt bereits – zum Unwillen der Nazis – in einem Film wie Mädchen in Uniform (Deutschland 1931, Leontine Sagan; Remake 1958, Géza von Radványi) an, ohne dass dort sexuelle Handlungen gezeigt würden. Auf das transvestitische Element hebt etwa Glen or Glenda (USA 1953, Edward D. „Ed“ Wood Jr.) ab mit einer Geschichte von einem Mann, der die Frauen so sehr liebt, dass er selbst eine werden will. Dykesploitation und Naziploitation vermengt die Ilsa- bzw. Greta-Reihe (in Werken wie Ilsa, She-Wolf of the SS, USA 1975, Don Edmonds). Beliebt ist bis heute die Kreuzung mit dem Vampirfilm (The Vampire Lovers, Großbritannien 1970, Roy Ward Baker; Chickula: Teenage Vampire, USA 1995, Angela Robinson).

Weitere Beispiele führen von einem frühen Exploitations-Klassiker wie Chained Girls (USA 1965, Joseph P. Mawra) über heute als feministisch interessant eingeschätzte Arbeiten mit aufklärerischem Gestus wie Just the Two of Us (aka: Strange Desires, USA 1975, Jaque Beerson & Barbara Pe[e]ters) zu lesbianistischen Eigenproduktionen mit Hardcoreporno-Einlagen wie Suburban Dykes (USA 1990, Debi Sundahl) oder Sugar High Glitter City (USA 2001, Jackie Strano & Shar Rednour). 

Literatur: Olson, Jennie: The queer movie poster book. San Francisco, CA: Chronicle Books 2004, S. 33-41 [zu den 1960er Jahren].

 

Referenzen