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Erzählzeit / erzählte Zeit

eigentlich genauer: Vorführdauer, Handlungszeit; engl. manchmal: screen duration (= Erzählzeit), plot duration (= erzählte Zeit)

Recht mechanische Unterscheidung über das Verhältnis zwischen der Zeit, in der eine Erzählung vorgetragen wird – z.B. in den 90min eines Kinofilms –, und der „erzählten Zeit“, die im Verlauf einer Geschichte vergeht (z.B. 15 Jahre). In aller Regel komprimiert der Film die erzählte Zeit, ist also wesentlich kürzer als die Zeitspanne, die in der Geschichte vergeht. Es gibt eine Reihe von Ausnahmen, in denen die beiden Zeiten übereinstimmen; dazu gehört High Noon (1952, Fred Zinnemann), in dem die anderthalb Stunden bis zum Eintreffen der Gangster einigermaßen zeitsynchron wiedergegeben werden, oder auch der israelische Film Mar Baum (1997, Assi Dayan), in dem ein Patient zu Beginn die Mitteilung erhält, er habe exakt 92 Minuten zu leben (so auch der deutsche Titel und die Dauer des Films). Sehr wenige Filme dehnen die erzählte Zeit weit in die Erzählzeit aus – so La Rivière du hibou (Frankreich 1962, Robert Enrico, nach der Kurzgeschichte „An Occurrence at Owl Creek Bridge“ von Ambrose Bierce), der die Sekunden vor dem Tod eines zum Tode verurteilten Soldaten auf Spielfilmlänge ausdehnt.

Literatur: Ritter, Alexander [Hrsg.]: Zeitgestaltung in der Erzählkunst. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1978 (Wege der Forschung. 447.). – Vogt, Jürgen: Aspekte erzählender Prosa. Eine Einführung in Erzähltechnik und Romantheorie. 9. Aufl. Paderborn: Fink/UTB 2006, Kap. 1. Zuerst 1972.

Referenzen