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Fabel (1)

(1) von lat.: fabula; engl.: plot; frz.: fable

Narratologischer Komplementärbegriff zu dem des Sujets (von russ. syuzhet). Tomaševskij nennt die Fabel „die Gesamtheit der Motive in ihrem logischen, temporal-kausalen Zusammenhang“; demgegenüber bezeichnet das Sujet „die Gesamtheit derselben Motive in jener Ordnung, wie sie im Werk gegeben ist.“ Die Beschreibungsebene der Fabel antwortet einzig auf die Frage: „Was geschieht im weiteren?“ (What‘s next?). Mit der an der Literatur gewonnenen Unterscheidung von Fabel und Sujet reflektieren und perspektivieren die Formalisten den Film als Erzählung. Die Fabel ist selber im Werk nicht greifbar, sondern allein unter Abstraktion von der jeweiligen Anordnung des Sujets zu formulieren. Sie korrespondiert mit dem ‚Geschichtenwissen‘ des Zuschauers (Wissen über Handlungsmotive, Erzählschemata, Genres usw.).
Das formalistische Gegenüber von Fabel und Sujet wurde von den Surrealisten als Begriffsdoppel story / discourse, manchmal auch plot / discourse übernommen. Es findet sich auch das französische histoire / discours.

Literatur: Tomashevsky, Boris: Teorija literatury. Poétika. Leningrad: Gos. izd. 1925. Dt. als: Theorie der Literatur. Poetik. Wiesbaden: Harrassowitz 1985. – Tynjanov, Jurij N.: Plot and story-line in the cinema. In: Russian Poetics in Transla tion 5, 1978, pp. 20-21. Zuerst russ. 1926. Dt. als: Über Sujet und Fabel im Film. In: Die Erweckung des Wortes. Essays der russischen Formalen Schule. Hrsg. v. Fritz Mierau. Leipzig: Reclam 1983, 2. Aufl. 1987, S. 402-404. – Culler, Jonathan: Fabula and sjuzhet in the analysis of narrative. In: Poetics Today 1,3, 1980, S. 27-37.

Referenzen