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Feinschnitt

engl.: fine cut, final cut

Nachdem der Schnittmeister die einzelnen Bilder einer Szene zu einem Rohschnitt zusammenmontiert hat, erfolgt – meistens in Zusammenarbeit mit dem Filmregisseur – der Feinschnitt, bei dem einzelne Szenen zeitlich genau miteinander abgestimmt werden und ein Rhythmus für den Filmablauf bestimmt wird. Seine Geschichte erzählt der Film bereits nach dem Rohschnitt. Doch wie er sie erzählt, ob flüssig, widerborstig, verborgen, deutlich, mit Tempo oder gestaut, das weiß man erst wirklich am Ende des Feinschnitts. Rohschnitt lässt sich als Arbeit an der „Positionierung“ der Einstellung bestimmen: die Abfolge der Aufnahmen wird erkundet und schließlich festgelegt. Feinschnitt hingegen beinhaltet einerseits die „Präzisierung“ dieser Abfolge an den Schnittübergängen, also die Arbeit an den Bild- und Tonanschlüssen. Andererseits werden Rhythmik und Timing herausgearbeitet. Diesen Aspekt der Montagearbeit kann man als „Modulierung“ bezeichnen. Der Rohschnitt arbeitet am Gedanken des Films. Bilder und Töne werden dafür hauptsächlich in ihrer indirekten, vermittelnden Funktion betrachtet. Nichtsichtbare, nichthörbare Bezüge – Abfolge, Zeit- und Ortssprünge, Außerzeitlichkeit, Handlungslogik – sind dabei wichtig. Denn eine Filmstory kann man nicht sehen. Sie kann nur indirekt vom Zuschauer erschlossen und vom Film vermittelt dargestellt werden. Der Feinschnitt bemüht sich um die direkte Anschaulichkeit und Ansehnlichkeit des Films. Das unmittelbar Sicht- und Hörbare steht im Zentrum der Arbeit – eine schnelle Armbewegung im Bild, ein Blick nach rechts, ein Rascheln im Ton.

Literatur: Schumm, Gerhard: Feinschnitt – die verborgene Arbeit an der Blickregie. In: Handbuch der Filmmontage. Hrsg. v. Hans Beller. München: TR-Verlagsunion 1993, S. 221-241. Mehrere Neuafl. – Schumm, Gerhard: Feinschnitt, Bildanschlüsse und filmisches Erzählen. In: Erzählen in Literatur und Film. Hrsg. v. Jör Schweinitz. Berlin: Akademie der Künste der DDR 1990, S. 26-32.

Referenzen