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Films Albatros

Die von dem russischen Exilanten Josif Ermol‘ev im Jahre 1920 gegründete französische Produktionsfirma La Société Ermolieff-Cinéma Films wird nach der Übersiedlung Ermol‘evs nach Berlin Anfang 1923 in Films Albatros umbenannt. Die Firma stand nun unter der Leitung von Alexandre Kamenka, Sohn eines zaristischen Bankiers, und Noë Bloch, der bei Ermol‘ev als Produktionsleiter fungierte. Hauptstütze der Firma war der Schauspieler und Regisseur Ivan Mosjukin, der insgesamt neun Filme bis Mitte der 1920er Jahre dort produzierte, u.a. Le Brasier Ardent (1923), Kean (1923) und Le Lion de Mogols (1924). Neben vielen weiteren russischen Schauspielern und Technikern fanden auch junge französische Filmkräfte – wie etwa Jacques Feyder (Carmen, 1926) – Arbeit bei der Firma. Als im Jahre 1924 Bloch mit Gregor Rabinowitsch die Ciné-France gründete und ein Großteil der russischen Beschäftigten mitnahm, öffnete sich Films Albatros französischen Avantgardisten wie René Clair (Un chapeau de paille d'Italie, dt.: Der italienische Strohhut, 1927), Roger Lion und Jean Renoir (Les Bas-Fonds, 1936), die der Firma ein ganz anderes Profil gaben. Obwohl Kamenka noch einige Filme nach dem Zweiten Weltkrieg produzierte, war die Glanzzeit der Firma schon Mitte der 1930er Jahre vorüber. 

Literatur: Albera, François: Albatros. Des russes à Paris 1919-1929. Milano: Mazzotta/Paris: Cinémathèque Française 1995. – Bakker, Gerben: Selling French Films on Foreign Markets: The International Strategy of a Medium-Sized Film Company. In: Enterprise and Society 5,1, März 2004, S. 45ff. – Schöning, Jörg: Fantaisies russes. Russische Filmmacher in Berlin und Paris 1920-1930. München: Edition text+kritik 1995.