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Flucht

Die Flucht ermöglicht als eines der beliebtesten Motive der Filmgeschichte überhaupt eine nahezu unbegrenzte Vielfalt von dramatischen Situationen, so dass es die Struktur ganzer Filme zu fundieren vermag. Der Abenteuerfilm mit seiner Bewegungsdynamik und seinen raschen Schauplatzwechseln bedient sich seiner besonders häufig. Vorbereitung von Fluchtversuchen, Scheitern, Gelingen, erneute Verhaftung, erneute Flucht, Wettlauf, knappes Entkommen, vermeintliche Sicherheit, Verrat, Überrumpelung, Hilfe, Versteck und Verkleidung, Erkennen, Resignation, Zur-Strecke-Bringen, Sich-Ausliefern, Siegen, Verlieren und viele andere Momente gehören zu den Stationen des Flucht- und Verfolgungs-Szenarios. Das Thema findet sich in vielen Genres und sorgt genreübergreifend für eine analoge Spannungskurve, innerhalb derer Erfolg und Misserfolg klar messbar sind. Von größter Bedeutung ist das Motiv in Genres, die Gefangenenlager im allgemeinen behandeln (wie dem Gefängnisfilm, dem Kriegsgefangenenlager, geschlossenen Städten im SF-Film etc.; es finden sich sogar Fluchtgeschichten aus dem Ghetto oder aus dem KZ – wie Sobibor, Großbritannien 1987, Jack Gold) oder die von Verfolgung in Sklavenhaltergesellschaften oder in totalitären Regimen behandeln (Night Crossing, USA 1982, Delbert Mann, erzählt von einer Flucht aus der DDR mittels Ballon). Daneben finden sich Geschichten, die von Flucht und Vertreibung unter Kriegsbedingungen erzählen. Manchmal handeln die Filme auch von Figuren, die sich falscher Beschuldigungen entziehen müssen (wie The Fugitive, USA 1993, Andrew Davis). Die Filme des Motivs haben immer wieder nicht nur das in sich spannungs-affine dramatische Szenario von Fliehenden und Verfolgern ausgestaltet, sondern auch für Grundrechte wie Selbstbestimmung plädiert, antirassistische Positionen eingenommen und politische Kritik geübt.

Weitere Beispiele: Woman in Hiding (USA 1949, Michael Gordon); Un Condamné à Mort s'est échappé (Frankreich 1956, Robert Bresson); The Defiant Ones (USA 1958, Stamnley Kramer);  Sugarland Express (USA 1974, Steven Speilberg); Midnight Express (Großbritannien 1977, Alan Parker); Escape from Alcatraz (USA 1979, Don Siegel); In This World (Großbritannien 2002, Michael Winterbottom).

Literatur: Bluefarb, Sam: The escape motif in the American novel. Mark Twain to Richard Wright. Athens, Ohio: Ohio State University Press 1972.