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Formalismus

Begriff für eine Stilrichtung der bildenden Kunst, des Theaters und des Films, die vom russischen Formalismus der 1920er Jahre beeinflusst ist. Dazu werden insbesondere Vertreter des russischen Revolutionsfilms (Sergej M. Eisenstein, Wsewolod Pudowkin, Dsiga Wertow u.a.) und der französischen und deutschen Avantgarde der 1920er (Jean Vigo, Walter Ruttmann u.a.) gezählt, in deren Werken durch spezifische Montageformen, v.a. die Parallel-, Kontrast- und Assoziationsmontage, Beziehungen und Zusammenhänge zwischen Objekten und Personen hergestellt werden, die im konventionellen realistischen Erzählkino nicht vorkommen. Der Film ist privilegiertes Erkenntnisinstrument der sichtbaren Welt; darüber hinaus ist das Filmbild Träger einer analytischen Weltsicht mit deutlicher Betonung der Autorschaft und des kinematographisch Artifiziellen. Die Kombinatorik der Bilder führt zur Sinnebene des Unsichtbaren, zu einer Rhetorik des Films, wobei Beziehungen metaphorischer oder metonymischer Art vom Zuschauer zu erschließen sind. In der Sowjetunion wurde die formale Schule unter Stalin als unpolitisch und geschmäcklerisch verworfen und vom Sozialistischen Realismus abgelöst.

Beispiele: Generalnaja linja (UdSSR 1926, Sergej Eisenstein, Grigori Alexandrow); Berlin – Die Sinfonie der Großstadt (Deutschland 1927, Walter Ruttmann); Semlja (UdSSR 1933, Alexander Dowschenko).

Literatur: Albera, François (sous la direction de): Les formalistes russes et le cinéma. Poétique du film. Paris: Nathan 1996. – Beilenhoff, Wolfgang (Hg.): Poetika Kino. Theorie und Praxis des Films im russischen Formalismus. Frankfurt: Suhrkamp 2005. – Hudlin, Edward W.: Film language. Pudovkin and Eisenstein and Russian formalism. In: Journal of Aesthetic Education 13,2, 1979, S. 47-56.

Referenzen