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Fünfte Generation

Der Begriff bezieht sich auf die chinesische Praxis, die eigene Filmgeschichte nach Generationen zu periodisieren. Die Fünfte Generation umfasst eine Gruppe von Regisseuren (Zhang Yimou, Chen Kaige u.a.), die nach der Wiedereröffnung der Filmakademien in den 1980er Jahren Filme drehten, die (auch) als Antwort auf die Zeit der Kulturrevolution (1966–1976), den staatlich befohlenen kulturellen Kahlschlag, zu lesen sind. Zu den Wesensmerkmalen gehören der Einfluss des europäischen Kinos und westlicher Filmtheorie, eine für den chinesischen Film neue formale Expressivität sowie die vorsichtige, hauptsächlich in Form von Allegorien thematisierte Kritik der offiziellen Positionen und Direktiven der Kommunistischen Partei Chinas. Die zentralen Werke entstanden zwischen 1983 und 1989; zu ihnen zählen Dao ma zei (dt.: Pferdedieb, Tian Zhuangzhuang, 1986), Hai zi wang (dt.: König der Kinder, Chen Kaige, 1987) oder Ju Dou (Zhang Yimou, VRC/Japan 1990). Im europäischen Ausland mit Begeisterung gefeiert und mit Preisen überhäuft, wurden (und werden) die Regisseure der Fünften Generation im Inland mit dem Vorwurf konfrontiert, ihre Filme seien den Bedürfnissen des chinesischen Massenpublikums nicht angemessen. Spätestens seit dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 versuchten die Filmemacher vermehrt, mit internationalen Koproduktionen die Finanzierung ihrer Projekte zu sichern.

Literatur: Kramer, Stefan: Geschichte des chinesischen Films. Stuttgart: Metzler 1997, S. 151-220.