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Geisterfilm / Gespensterfilm II: Geisterfilm

Zum Genre gehört wesentlich ein Schichtenmodell hinsichtlich Grenzziehung zwischen Leben und Tod, zum Schaden oder Nutzen der Lebenden, die zumeist Anlass genug haben, die bestehende Grenzlinie nicht verwischen zu lassen. Fragen der Selbsterkenntnis und Selbstdefinition bilden den Unterbau jedes anspruchsvolleren Geisterfilms. Der thematisch-motivliche Bogen spannt sich vom Eindringen des Übernatürlichen, Spirituellen, Engelhaften und rein atmosphärisch ‚Geisterhaften‘ (wie in Riget aka Geister, 1994, Morten Arnfred & Lars von Trier) über Somnambule, Wiedergänger, lebende Tote (Zombies: I Walked with a Zombie, 1943, Jacques Tourneur), reitende Leichen, fechtende Skelette und Vampire weiter über putzige bis störrische Helferlein (Herr-Diener/Sklave-Modelle: Aladinische Flaschengeister, engl. genies/jinn(s) – von arab. Dschinn/Jinn ((böser) Geist), zu Haus- und Ortsgeistern, die sich häufig als geheimnisvoll schuldig-unschuldige Ahnen zeigen und Fragen der Definition von Heimat- und Verwandtschaftsbeziehungen aufwerfen, um endlich zu den sesshaften, hartnäckig-lästigen Poltergeistern zu gelangen, die lärmend und störend ihre Existenz bekunden, ohne sich an den Orten, die sie heimsuchen, in persona zu zeigen (Poltergeist, 1982, Tobe Hooper & Steven Spielberg). Dämonenaustreibung und Exorzismus bilden die Grenze, an der die Welt der toten Seelen endet und das Reich der Teufel beginnt.
Das Evozieren von Personen als Geister kann im Thriller als Mittel zur Psychiatrisierung von Protagonisten verwendet werden. Zum anderen bedarf es zum Registrieren von Geistern geeigneter Menschen (‚Medien‘), die über die notwendige Empfindsamkeit verfügen, Kommunikation anzubahnen.
Hinsichtlich ihrer Sozialität können Geister/Gespenster als Einzelerscheinungen auftreten (so auch als Gefangene in Ketten), als Pärchen (Topper, 1937, Norman Z. McLeod), in nicht weiter spezifizierten Gruppen und gar als ganze Armeen von Skeletten (La noche del terror ciego, aka: Die Nacht der reitenden Leichen, 1971, Amando de Ossorio; Army of Darkness, 1993, Sam Raimi). 

Literatur: Fowkes, Katherine A.: Giving up the ghost: spirits, ghosts, and angels in mainstream comedy films. Detroit, MN: Wayne State University Press 1998 (Contemporary Film and Television Studies.). – Haining, Peter (ed.): Ghost movies: famous supernatural films. Sutton: Severn House 1995. – Ders.: Ghost movies II: famous supernatural television programmes. Sutton: Severn House 1996 [Anthologien von Textvorlagen für Geisterfilme]. – Lim, Bliss Cua: Spectral times: the ghost film as historical allegory. In: positions: east asia cultures critique 9,2, 2001, S. 287-329.