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Innere Rede: Formalismus

Im russischen Formalismus bezeichnet „innere Rede“ die fortlaufende, stumme Kommentierung des Films durch den Zuschauer. Der Begriff wird von den Formalisten eingesetzt, um den Zusammenhang von Wahrnehmung und Verstehen in der Filmrezeption reflektieren zu können. Wahrnehmung und Verstehen sind „unauflöslich verbunden mit der Bildung einer inneren, die einzelnen Einstellungen untereinander verbindenden Rede“ (Ejchenbaum). Dabei handelt es sich nicht im strengen Sinn um eine Rede, die das Gezeigte in sprachliche Ordnung überführt, sondern um eine kognitiv und affektiv gesteuerte Verknüpfung der Einstellungen. Außer der Filmerfahrung des Zuschauers, die bestimmte Erwartungen nahelegt und je nach Anforderung der aktuellen Filmwahrnehmung den Fluß der inneren Rede automatisieren oder erschweren kann, spielen auch emotionale Dispositionen und individuelle Bedürfnisse beim Aufbau der inneren Rede eine entscheidende Rolle.

Literatur: Levaco, Ronald: Eikhenbaum, inner speech and film stylistics. In: Screen 15,4, 1974/75, S. 47-58. – Willemen, Paul: Reflections on Eikhenbaum's concept of internal speech in the cinema. In: Screen 15,4, 1974/75, S. 59-70.