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Institut für Kulturforschung

Hans Cürlis gründete am 11.7.1919 sein  Berliner Institut für Kulturforschung – nach dem gleichnamigen Wiener Pendant von Erwin Hanslik – mit der Aufgabe, die Verbreitung politischer Ideen und kultureller Botschaften u.a. durch Animationsfilme zu fördern. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten u.a. die Scherenschnittkünstler Richard Felgenauer, Toni Raboldt und Lotte Reiniger, der Kunsthistoriker (und spätere Ehemann von Lotte Reiniger) Carl Koch sowie Berthold Bartosch, der bereits für das Wiener Institut für Kulturforschung Trickfilme hergestellt hatte. Träger des Instituts wurde die Gesellschaft für Kulturforschung (gegründet am 7.8.1920). Zweck der Gesellschaft war die „wissenschaftliche Erforschung der Kultur aller Völker zu betreiben und die Forschungsergebnisse durch Darstellung in Wort, Bild und Film zu verbreiten“ (§1 der Satzung). Ihr Ziel war eine „neue Weltkulturgemeinschaft in gegenseitiger Achtung.“ Das Institut betrieb Forschungsarbeit und unterhielt eine Filmabteilung, einen Verlag und ein Archiv für Lehr‑ und Schulfilme. Filme des Instituts sind bis 1933 nachweisbar. Für die Herstellung von Filmen gründete Cürlis eine eigene Filmproduktionsfirma, die Kulturfilm‑Institut GmbH, deren Leiter er ebenfalls seit 1919 war und die bis in die späten 1960er hinein bestand.

Aufgabe des Instituts war die „Verbreitung politischer Ideen und kultureller Botschaften“, insbesondere durch Animationsfilme; der „kartographische Trickfilm“ wurde eigens für diesen Zweck entwickelt. Reinigers erster Film Das Ornament des verliebten Herzens (1919) entstand im Auftrag des Instituts; allerdings wurde die Herstellung von Silhouettenanimationen 1923 wegen Unrentabilität eingestellt. Animationsfilme oder Animationsfilmteile thematisierten u.a. die Folgen des Versailler Friedensvertrages für Deutschland und schlugen nicht selten nationalistische Töne an. Viele der Filme wurden als Propagandafilme von Cürlis im Auftrag des Auswärtigen Amtes produziert. Sie liefen nicht nur in Kinos und Lichtspieltheatern, sondern wurden auch öffentlich auf einer von der Berliner Firma Petra AG eigens entwickelten Tageslichtleinwand gezeigt.

Literatur: Döge, Ulrich: Kulturfilm als Aufgabe. Hans Cürlis (1889-1982). Babelsberg; CineGraph Babelsberg 2005, bes. 5-26 (Filmblatt‑Schriften. 4.).