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Interviewvertrag

Grundsätzlich muss der Interviewte immer seine Zustimmung zu einem Interview erteilen. Vor Beginn des Interviews muss festgelegt werden, dass das Gespräch zwischen dem Journalisten und Interviewgeber nicht zu privaten Zwecken, sondern lediglich zu Recherchezwecken erfolgt. Ein Interviewvertrag hilft, bereits im Vorfeld die Spielregeln des Interviews zu bestimmen. Geregelt ist dieser Grundsatz im Pressekodex (Richtlinie 4.1). Ein Verstoß gegen den Pressekodex kann zu einer Rüge des Deutschen Presserates führen. Das OLG Köln hat bereits 1986 entschieden, dass bei reinen Privatgesprächen mit Journalisten nicht mit einer Veröffentlichung gerechnet werden muss (OLG Köln, 6 U 182/85). Derartige Aufnahmen dürfen nicht veröffentlicht werden. Es gilt das Recht am gesprochenen Wort, das im allgemeinen Persönlichkeitsrecht regelt ist (Art. 1 Abs. 1 und Art. 2 Abs. 2 GG). Dies gibt jedermann das Recht, selbst zu bestimmen, ob der Gesprächsinhalt einzig dem Gesprächspartner, einem bestimmten Personenkreis oder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll (BGH, XII ZR 227/03; BGH, XII ZR 210/04).

Ratsam ist es, sich vor einem Interview die mündliche oder schriftliche Einwilligung des Interviewgebers einzuholen und einen Interviewvertrag abzuschließen. Bei einem Rechtsstreit trägt die Beweislast stets der Interviewer und nicht der Interviewgeber. Für Ton- und Filmaufnahmen gilt, dass der Interviewgeber zunächst in die Ton-, Bild- oder Filmaufnahme einwilligen muss und darüber hinaus in die Veröffentlichung seines gesprochenen Wortes. Eine Veröffentlichung von heimlich aufgenommen Ton-, Bild- und Filmaufnahmen verletzt immer die Vertraulichkeit des Wortes und ist eine Straftat (§201 StGB). In einem Interviewvertrag sollte deshalb schriftlich vereinbart werden, dass es sich um ein Interview handelt, die Aufnahme auch veröffentlicht werden darf sowie eine Autorisierung des Interviewgebers erfolgt und eine Frist zur Veröffentlichung der Aufnahme eingeräumt wird.

Das Kürzen von O-Tönen eines Interviews darf grundsätzlich nicht den Sinngehalt des Interviews verfälschen und zu einer anderen Aussage des Interviewgebers führen. Bei einer Behauptung von falschen Tatsachen hat der Interviewgeber einen Anspruch auf Berichtigung gegenüber dem Medium oder kann eine Gegendarstellung verlangen. Bei einer schweren Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts kann darüber hinaus eine strafbewehrte Unterlassungserklärung und Schadensersatz verlangt werden.