Metainformationen zur Seite
  •  

Jiddisches Kino

Zwischen 1910 und 1940 entsteht in Russland und später in der Sowjetunion, aber auch in Österreich und den USA sowie vor allem im Polen der 1930er Jahre eine Reihe von Filmen in jiddischer Sprache von sehr unterschiedlicher Qualität. Mit minimalen Produktionsmitteln realisiert und kaum exportiert, sind sie an ein jüdisches Publikum gerichtet und knüpfen an kulturelle Traditionen an: Neben Ein- und Zweiaktern entstehen Legenden- und Dramenverfilmungen. Oft vorzügliche Schauspieler und Schauspielerinnen, viel Phantasie, Humor und Melodrama kennzeichnen die Filme. Die Ausrottung europäisch-jüdischer Kultur durch den Holocaust führt zum gewaltsamen Ende auch des jiddischen Kinos – und zur Zerstörung vieler jiddischer Filme – von dem es nach Kriegsende in den USA letzte Ausläufer gibt. Gemessen an seinem (marginalen) Stellenwert innerhalb der Filmgeschichte ist das jiddische Kino außerordentlich gut erforscht; dies widerspiegelt das Interesse der Gegenwart, die zu diesem Kino in einem Verhältnis des Gedenkens steht.
Seit den 1970er Jahren taucht Jiddisch, wenn überhaupt, in unabhängigen Kleinproduktionen und in Dokumentar- und Experimentalfilmen auf, in Arbeiten der Kinder von Überlebenden, die sich mit dem Schicksal ihrer Eltern auseinandersetzen.

Beispiele: Jidische Glikn (UdSSR 1925, Alexander Granowskij); Yidl mit‘n Fidl (Polen 1936, Joseph/Józef Green); Der Dybuk (Polen 1937, Michay Waszinsky); Grine Felder (USA 1937, Edgar G. Ulmer, Jacob Ben Ami).

Literatur: Hoberman, J[ames]: Bridge of light. Yiddish film between two worlds . New York: The Museum of Modern Art [...] 1991. Repr. Philadelphia: Templeton University Press 1995. – Loewy, Ronny (Red.): Das jiddische Kino. Frankfurt: Deutsches Filmmuseum 1982.