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keiko-eiga

v. japan.: keiko ‚Tendenz, Neigung, Hang; auch: gradlinige Durchführung dessen, was man denkt‘ + eiga ‚Film‘ = ‚Tendenzfilm‘

Während der Taishô-Periode (1912-1926) und der sich anschließenden Shôwa-Zeit (1926-1989) schien sich in Japan im Gegensatz zur Vergangenheit zunächst ein politisch liberaleres Klima zu entwickeln. Neben eher amateurhaften Versuchen wie der proletarischen Filmbewegung (Nihon Puroretaria Eiga Dômei = Purokino) gab es in der ausgehenden Stummfilmzeit und mit dem aufkommenden Tonfilm auch ernsthafte, von den älteren Verfilmungen traditionellen Kabuki-Theaters radikal abweichende filmische Auseinandersetzungen mit den Themen politische Repression und soziale Missverhältnisse. Auch etablierte Studios wie etwa Nikkatsu beteiligten sich daran. Ein eigenes Filmgenre, die keiko-eiga, entstanden, denen man Sympathien zur politischen Linken und eine Tendenz zum proletarischen Leben nachsagte, obgleich die meisten dieser Filme keine offenen politischen Bekenntnisse enthielten.
Daisuke Itô von Nikkatsu kleidete seine Filme ins Gewand des historisierenden jidai-geki und schuf neben Gero ([Der Knecht], 1927) den Typus des mittelalterlichen nihilistischen Helden, so in den vier Teilen von Shinpan ôoka seidan ([Die Akten von Okas Urteilen], 1928-1931) und in dem Dreiteiler Chuji tabinikki (IT: A Diary of Chuji's Travels, 1927).

Die meisten Regisseure des keiko-eiga arbeiteten allerdings über zeitgenössische Themen und Probleme des sich verhärtenden sozialen Lebens (shomin-geki). Beispiele sind Tomu Uchida (Ikeru mingyo [A Living Puppet], 1929); Mansaku Itami (Zoku banka jigoku [Elegy of Hell], 1928; Yamiuchi Tosei [Life of a Foul Murderer], 1932); Yasujiro Shimazu (Seikatsusen ABC, 1929, zeigt streikende Arbeiter; Shunkinsho: Okoto to Sasuke [Okoto und Sasuke], 1935, Remake durch Teinosuke Kinugasa 1961); Shigeyoshi Suzuki mit seinem Publikumserfolg Nani ga kanojo o sô saseta ka (What Made Her Do It?, 1930) über eine Brandstifterin; Tomotaka Tasaka (Kono haha wo miyo [Behold This, Mother], 1930); Teinosuke Kinugasa (Reimei izen [Before Dawn], 1931); Heinosuke Gosho (Ikitoshi Ikerumono [Everything That Lives], 1934); Kenji Mizoguchi (Naniwa Erejî [Osaka Elegy], 1936; Gion no Shimai [Die Schwestern aus Gion], 1936); Yazujiro Ozu (Hitori Musuko, 1936); Shirô Toyoda (Wakai Hito [Young People], 1937). Zu erwähnen sind auch Fumio Kamei und der erst später aktive Hideo Sekikawa.
Die immer mißtrauischer werdenen Militärmachthaber, die die nunmehr paranoide imperialistische Regierungspolitik bestimmten, griffen zu immer rigideren Mitteln der Zensur. Mit dem Ausbruch des Krieges zwangen sie die Filmindustrie zu nationalistischen und patriotistischen Themen oder schickten Unliebsame gleich an die Front. Hierdurch erklären sich die manchmal markanten Verwerfungen und Brüche in den Oeuvres einiger Regisseure. Viele der keiko-eiga sind verloren.

Literatur: Takenaka, Tsutomu: Keiko eiga no jidai [Die Zeit des Tendenzfilms]. Tôkyô: Shirakawa Shoin 1974. – Reframing Japanese cinema: authorship, genre, history. Ed. by Arthur Nolletti, Jr. and David Desser. Bloomington: Indiana University Press 1992.

Referenzen