Metainformationen zur Seite
  •  

Kinetoskop

von griech. kinematos = Bewegung, skopein = schauen, wörtlich also „Bewegungsbetrachter“

(1) Das Kinetoscope, im Januar 1894 technisch vollendet und im April von der Firma des Erfinders Thomas Alva Edison (1847-1931) auf den Markt gebracht, bestand aus einem rechteckigen bauchhohen Kasten. Durch einen Sehschlitz konnte ein Betrachter, der zuvor eine Münze eingeworfen hatte, laufende Bilder sehen, die bei einer Vorführgeschwindigkeit von 30 bis 40 Bildern pro Sekunde nach weniger als einer halbe Minute vorbei waren. Der von William Kennedy Laurie Dickson (1860-1935), einem Mitarbeiter Edisons, und seinen Teamkollegen entwickelte Betrachtungsapparat arbeitete mit einer beidseitig perforierten 35mm-Filmschleife von ca. 15m Länge und einer Scheibenblende.
Das Gerät wurde am 20.5.1891 in den Werkstätten Edisons in West Orange (New Jersey) erstmals einer Besuchergruppe vorgeführt. Durch die Konstruktion einer Kamera (Kinetograph) und die Errichtung eines Studios, der Black Maria 1893 auf dem Werksgelände, schuf die Firma Edison die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Verbreitung des Kinetoskop: die Filmbeschaffung. Der erste ‚Kinetoscope Parlour‘ eröffnete am 14.4.1894 auf dem Broadway in New York; kurze Zeit später bewunderten auch Europäer die jüngste Erfindung des “Zauberers von Menlo-Park“.

Literatur: Gordon Hendricks: The Edison Motion Picture Myth. Berkeley/Los Angeles: University of California Press 1961. - Laurent Mannoni: Le grand art de la lumière et de l’ombre – archéologie du cinéma. Paris: Nathan 1994. – Deac Rossell: Living Pictures. The Origins of the Movies. Albany: State University of New York Press 1998.

(2) Odessa, Russland: Der ukrainische Filmpionier Jossif Timtschenko erfand 1893 mit Hilfe von N. Lubimow einen Apparat für die Aufnahme und Projektion von laufenden Bildern, der noch vor der Erfindung der Lumières die ruckweise Bewegung des Filmstreifens beherrschte. Ein zweiter Apparat aus dem gleichen Jahre wurde „Kinetoskop“ genannt, erbaut mit Hilfe von M. Freidenberg. Vorgeführt wurde die Neuheit auf einem Naturwissenschaftler- und Ärztekongress im Januar 1894. Timtschenkos Erfindung genoß trotz überzeugender Leistungen aber keine Auswertung und wurde bald vergessen.
 

Referenzen