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kishotenketsu

Aus dem Chinesischen übernommenes, vierfaches narratives Organisationsprinzip des Japanischen für „gut aufgebaute“ rhetorische Strukturen, das sich elementar von der eher linear zu nennenden westlichen Argumentationsweise unterscheidet. Der Aufbau des Kompositums gibt seine Bedeutung wieder: ki- (= „Plan, Tat“) steht für den Anlass, die Einführung des Erzählgegenstandes; sho- (= „verschieden, mehrmals“) drückt Entwicklung durch Wiederholung aus, gleichsam das Durchwalken bekannter Argumente; ten- (= „Wandel“) meint Metastasis, eine verschleppende Wendung; und ketsu schließlich fordert einen „schönen Schluss“, der die besondere Leistung des Ganzen zum Ausdruck bringen soll.
Die Technik des kishotenketsu ist auch in japanischen Filmen nachzuweisen, die das direkte Ansprechen ihrer eigentlichen Themen gern vermeiden und sich ihm lieber durch das Erzählen von Nebengeschichten und mittels ästhetisierender Abrundungen und Verschleifungen annähern. Ein einprägsames filmgeschichtliches Beispiel, zugleich die vielleicht bedeutendste filmische Exemplifizierung des Konzepts ist Akira Kurosawas Rashômon (Rashomon – Das Lustwäldchen, 1950) nach der gleichnamigen Geschichte von Ryunosuke Akutagawa (1915): In diesem Film, der dem historisierenden Genre des Jidai-geki zuzurechnen ist und im mittelalterlichen Japan spielt, wird ein Frau überfallen, vor den Augen ihres Ehemanns vergewaltigt und dieser dann umgebracht. Aus vier verschiedenen Perspektiven berichten vier Zeugen dem Zuschauer ihre Version über den Ablauf der Ereignisse. Ihre jeweils überzeugend klingenden Einlassungen kreisen um die Wahrheit, doch der Zuschauer kommt ihr letztendlich nicht näher. Am Ende, ketsu, hört der Regen auf, der die gesamte Erzählzeit über vom Himmel fiel. 
 

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