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Klangobjekt: Wahrnehmung

ähnlich engl.: aural object (=Hörobjekt)

Hörer nehmen ihre Umwelt nicht als ein unstrukturiertes Gemisch akustischer Reize wahr, sondern strukturieren das Gehörte so, dass sich Hör- oder Klangobjekte herausbilden. Diese müssen zum einen als akustische Gestalten „vor“ dem Umwelt-Hintergrundgeräusch gebildet werden (also etwa als Elemente gesprochenen Dialogs oder als Manifestationen von Musik); zum anderen müssen sie als Zeitgestalten eine Ordnung in den Fluss der Klänge einbringen, die wiederum eine Koordination mit Prozessen der Bedeutungsbildung ermöglicht. Wie alle Wahrnehmungsprozesse hat auch das Hören ein Thema und ist aufmerksamkeitsgesteuert. Insofern steht die Herausarbeitung von Klangobjekten immer in engem Zusammenhang mit dem Verstehen von Sinnhorizonten (etwa der Rezeption von Filmen). Darum auch sind Hörobjekte meistens bedeutungshaltig.
Diese in einem analytischen Zugriff auf das Gesamte der verfügbaren akustischen Reize gewonnenen Objekte werden als Einheiten gegen den restlichen akustischen Hintergrund gestellt. Natürlich fußen Hörobjekte auf physikalischen oder psycho-physikalischen Qualitäten der Klänge. So gilt ganz allgemein, dass man dann ein (potentielles) Hörobjekt – also etwas, das man als Hörobjekt überhaupt identifizieren kann – erzeugt, wenn man weißem Rauschen durch Amplitudenmodulation eine Zeitstruktur aufprägt. Geht es etwa um das Erkennen von Musikinstrumenten an ihrem Klang, so werden physikalische Qualitäten – die relative Stärke der Obertöne, ihre relative Zahl sowie die Ein- bzw. Ausschwingzeit der einzelnen Töne – als physikalische Qualitäten dazu verwendet, das Klangobjekt mit dem erzeugenden Instrument zu koordinieren und so rein akustisch ein Realobjekt zu indizieren.
Hörobjekte sind einerseits Objekte und als solche aus dem Fortgang der akustischen Reize herausgelöst; andererseits behalten sie ihre Qualität als Hörereignisse  resp. -erlebnisse, umfassen also einen eigenen Zeitaspekt. 

Literatur: Zimbardo, Philip G. / Gerrig, Richard J.: Psychologie. 18., aktual. Aufl. München [...]: Pearson Studium 2008, cap. 12-13.