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Kleinstadt / Kleinstadtfilm

Motiv und (mehr oder weniger stereotyper) Schauplatz im fiktionalen und dokumentarischen Film. Im Heimatfilm ist die Kleinstadt behütetes Idyll und Ort einer als authentisch und moralisch integer empfundenen oder zumindest propagierten Kultur, deren zentrale Werte der Stolz auf die eigene Einfachheit und der bewusste Verzicht auf alles „Großstädtische“ sind. Das Melodrama dagegen betont die erstickende physische und psychische Enge sowie die tendenziell massive Sozialkontrolle, die zu Ausbruchsversuchen der Helden und insbesondere der Heldinnen führt und sie zu Aussteigern aus der öden Provinz (und damit oft genug zu gefallenen Frauen) macht (Brief Encounter, Großbritannien 1945, David Lean; man denke auch an Stoffe wie Fontanes „Effi Briest“). Kriminalfilm und Thriller wiederum setzen kleinstädtische Ruhe und Sicherheit in schroffen Kontrast zum plötzlichen Einbruch des Bösen und der Gewalt, die die BewohnerInnen unvorbereitet trifft – und die auffallend oft aus der Großstadt stammt (Blue Velvet, USA 1986, David Lynch). Milieu- und Quartierstudien schließlich verfahren realistischer und versuchen, ähnlich wie der Dokumentarfilm, vor allem die sozialen Aspekte der Kleinstadt einzufangen – und damit nicht selten eine Gesellschafts- oder gar Systemkritik zu formulieren (Das schreckliche Mädchen, BRD 1990, Michael Verhoeven). 
 

Referenzen