Metainformationen zur Seite
  •  

Korruption

Besonders in Polizei- und Politikerfilmen ist das Motiv gegenwärtig, wird in polizeilichen und politischen Institutionen angesiedelt, oft mit dem Motiv der Mafia verwoben und in eine mitunter ungeschönt formulierte Systemkritik an einem politischen Klima eingebettet. Darum ist das Thema eng mit der Politisierung des Kinos in den 1960ern verbunden und erreicht in den italienischen Politfilmen jener Jahre (wie etwa in Le Mani sulla Città, 1963, Franceso Rosi) eine erste Hochphase. Denkbar sind neben gesellschaftskritischen Filmen auch Charakterstudien über rücksichtslose Aufsteiger, die sich in ungute oder glücklose Konkurrenzkämpfe verstricken, oder über Polizisten, die sich manchmal lebenslang von der Gangsterwelt haben bezahlen lassen. Schließlich bestimmt das Motiv immer wieder und nachhaltig die düsteren Visionen des film noir. Auch der politisch engagierte Essayfilm widmet sich dem Thema Korruption, was je nach politischen Umständen aber ein heikles Unternehmen sein und zu Zensurfällen führen kann.
Eigene Prominenz hat das Thema im (vorwiegend amerikanischen) Polizeifilm bekommen, weil die Korruption von Polizisten ein klares Indiz für die Auflösung der Grenzen zwischen Recht und Unrecht und für die Entstehung von Machtstrukturen außerhalb der Kontrolle des Staates sind (wie in Serpico, 1973, Sidney Lumet, The Big Easy, USA 1982, Jim McBride, oder in L.A. Confidential, USA 1997, Curtis Hanson). Gerade im neueren Film wird darum auch die Korruption von Politikern als Auslieferung des Politisch-Kollektiven an die Interessen einer – zumindest potentiell kriminellen – Sphäre der ökonomischen Macht inszeniert. Der Kampf gegen Korruption ist darum auch immer der Kampf um die Macht- und Kontroll-Verhältnisse in gesellschaftlichen Systemen. Entsprechend schildert Francesco Rosis Cadaveri eccellenti (Italien/Frankreich 1975) eine Gesellschaft, deren tatsächliche Machtverhältnisse „unter“ der öffentlichen und zugänglichen Oberfläche verborgen sind.