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last minute turnaround

dt. etwa: Wendung in letzter Minute

Manche Geschichte enden mit einer Wendung, die kurz vor dem inzwischen wahrscheinlichen Ende die Verhältnisse noch einmal verkehren, die Rollen neu verteilen und den Zuschauer vor das Problem stellen, die Geschichte noch einmal – und zwar kurz vor dem Schluss der Handlung – sich in ganzer Länge vor Augen zu führen und neu zu interpretieren. Ein Beispiel ist der TV-Spielfilm Papillon noir (Frankreich 2008, Christian Faure), in dem der bisherige Held vor dem sicheren Tod zu stehen scheint, als er sich aber völlig überraschend als Serienmörder herausstellt; der bis dahin als gefährlich und möglicherweise mordbereit charakterisierte Antagonist ist in Wahrheit ein Polizist, der das Geschehen als umfassende Falle für den so geschickten Täter inszeniert hatte. Derartige Wendungen haben den Status eines „semantischen Schocks“, bringen sie doch die bis dahin aufgebaute Interpretation des gesamten Geschehens ins Wanken und zwingen dem Zuschauer eine synoptische Perspektive auf, eine momentane Distanzierung vom Geschehen. Gerade im Thriller ist mit der Form gespielt worden (man denke an The Usual Suspects, USA 1995, Bryan Singer, in dem erst ganz am Ende die wahre Identität des Kronzeugen aufgeklärt wird), doch sei auch an finale Rahmungen erinnert, die das Vorangegangene als Traum qualifizieren (wie in Fritz Langs The Woman in the Window, USA 1944).