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Mashup

engl. etwa: Vermischen, Verquirlen; auch: Mash-Up

Der aus der DJ-Musik entlehnte Begriff (dort spricht man auch von Bastard-Pop) bezeichnet die kontrastierende (meist paarweise) Vermischung von mehreren Musiktiteln. Der Begriff wird inzwischen auch angewendet auf Kurzvideos (i.S.v. Collage, Montage), Musikfilme (Medley), lässt sich aber auch auf Filmmusik übertragen, wobei sich schnell zeigt, dass die Technik der Collagierung kontrastierender Musiken deutlich älter als die DJ-Kultur ist:

(1) Filmmusik: Als frühes Beispiel lässt sich die Szene in Casablanca (USA 1942, Michael Curtiz) nennen, in der deutsche Soldaten in „Rick’s Café Américain“ Die Wacht am Rhein anstimmen, während die oppositionellen Franzosen die Marseillaise dagegensetzen. Der Komponist Max Steiner überträgt damit im Stil eines Quodlibets die politische Konfrontation auf eine musikalische Ebene. Im Film L’ours et la poupée (Frankreich 1970) wird ein PKW-Zusammenstoß, der zugleich ein Zusammenprall der Lebenswelten eines Jetsetgirls (Bardot) und eines Orchestercellisten (Cassel) ist, hingegen durch hart gegeneinander geschnittene Musik (zeitgenössische Beatmusik von Eddie Vartan vs. die Semiramis-Ouvertüre von Rossini) synchron zum Bild gestaltet.

(2) Musikfilm: In der TV-Musikserie Glee (USA 2010ff) finden sich Mashups, z.T. explizit als „Hausaufgaben“ von den Schülern des titelgebenden Glee-Chores gestaltet. Hierdurch wird u.a. eine Beziehung geschaffen zwischen „klassischen“ Songs und aktuellen Titeln, die dem jugendlichen Publikum vertraut sind, z. B. „I Feel Pretty“ aus Leonard Bernsteins West Side Story und „Unpretty“ von TLC.

(3) Video: Vor allem im Internet anzutreffen sind ebenfalls als Mashup bezeichnete Montagen von Filmausschnitten, die durch eine verbindende Musikspur in witzige Kontexte gestellt werden (z.B. Rammstein-Musik mit Aufnahmen von Volksmusikkonzerten, Dialogausschnitte unterschiedlicher Filme als Songtexte).

Vom Mashup zu unterscheiden ist die musikalische Collage (Medley), in der mehrere Musiktitel aneinandergereiht sind (Beispiel: „Love-Medley“ in Moulin Rouge, Australien/USA 2001) oder die aus einer Montage von Musik-Clips bestehen (Hannah Montana – Video Mash-up, USA 2009).

Literaturhinweis: von Gehlen, Dirk: Mashup. Lob der Kopie. Berlin: Suhrkamp 2011 (Edition Suhrkamp. 2621.). – Sonvilla‑Weiss, Stefan (ed.): Mashup Cultures. Wien: Springer‑Verlag Vienna 2010. – Brøvig‑Hanssena1, Ragnhild / Harkinsa, Paul: Contextual incongruity and musical congruity. The aesthetics and humour of mash‑ups. In: Popular Music 31,1,  Jan. 2012, S. 87‑104.