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Medienskandal

Der Begriff des Skandalons – er bezeichnete ursprünglich das Stellhölzchen bei Tierfallen – wurde in übertragenem Sinne schon in der Antike als Bezeichnung für einen Anlass verwendet, existenzielle Fragen zu erörtern. Die Chroniques scandaleuses waren im 18. Jahrhundert eine erste publizistische Form, das Skandalöse als Gegenstand öffentlicher Kommunikation zu etablieren. Für viele ist der Zusammenhang dieser oft reißerischen Berichte über den dekadenten Adel in Frankreich mit der Revolution evident. Die Medien heute haben dies weiter perfektioniert. Heute zieht ein Skandal allgemeine gesellschaftliche Aufmerksamkeit auf sich – wenn er durch die Massenmedien propagiert wird. Bei der Aufdeckung von Korruption, Bestechung und persönlicher Vorteilsnahme von Amtsträgern in Politik und Wirtschaft etwa spielt die journalistische Aufdeckung, Verbreitung und Kommentierung die wohl zentrale Rolle.
Nicht zuletzt hieraus leitet sich die Rolle von Medien und Presse als Korrektiv der gesellschaftlichen Institutionen ab; in den USA und in manchen Öffentlichkeitstheorien gilt die Presse als „Vierte Gewalt“. Die politischen Effekte der Watergate-Berichte, der Recherchen um den schleswig-holsteinischen Politiker Barschel oder die seinerzeitige „Spiegel“-Affäre sind allgemein bekannt. Selbst die Skandalberichterstattung hat kommunale Effekte, etabliert sie doch gewisse Themen als Themen gesellschaftlicher Auseinandersetzung. Wenn also Eva Herrmanns im Herbst 2006 publizierte ebenso vehemente wie kurzsichtige Polemik gegen die Emanzipationsbewegung eine breite Diskussion in der Öffentlichkeit über Erfolg oder Misserfolg der Emanzipationsbewegung und über Sinn und Wirksamkeit sozialer Errungenschaften von Kindergeld bis Kindertagesstätten und Berufsausbildung, so befasste sich die öffentliche Diskussion mit moralischen und politischen Werten, die weit über die Dümmlichkeit des Anlasses hinausging.
Unklar ist bis heute, warum manche skandalaffinen Berichte tatsächlich nicht zum öffentlichen Skandal werden.

Literatur: Burkhardt, Steffen: Medienskandale. Zur moralischen Sprengkraft öffentlicher Diskurse. Köln: Halem 2006. – Gerhards, Claudia (Hrsg.): TV-Skandale. Konstanz: UVK 2005 (Kommunikation audiovisuell. 35.). – Noack, Bernd: Theaterskandale. Von Aischylos bis Thomas Bernhard. St. Pölten/Salzburg: Residenz-Vlg. 2008. – Bösch, Frank: Öffentliche Geheimnisse. Skandale, Politik und Medien in Deutschland und Großbritannien 1880-1914. München: Oldenbourg 2009 (Veröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts London. 65.).

Referenzen