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motor mimicry

engl., aus lat. motor = „Beweger“ + griech. mimos = „Nachahmung“; wörtlich: „Bewegungsnachahmung“

Motor mimicry nennt man in der Theorie der dialogischen Kommunikation und im Bereich des nonverbalen Verhaltens die – weitgehend unwillkürlich ablaufende und bereits bei Babies zu beobachtende – Übernahme des motorischen Verhaltens des Gegenübers, z.B. der Bewegungen der Gesichtsmuskeln beim Lächeln. Dabei liegt diese Übernahme auf einer Ebene unterhalb derer, die als bewusste Nachahmung oder gar als Nachäffen zu bezeichnet wäre. So neigen Gesprächspartner dazu zu lächeln, wenn ihr Gegenüber lächelt, die Arme zu verschränken oder die Beine übereinander zu schlagen, wenn dieses es vormacht. Dabei sind allerdings kulturelle Unterschiede in den Ausprägungen von Gestik, Mimik und Gebärden signifikant.
Motor mimicry
setzt im kognitiven Forschungsparadigma voraus, dass die nachahmende Person sich eine kognitive Repräsentation des emotionalen Zustands seines Gegenübers erschließt und dann auf dieser Grundlage mental („mental mimicry“) dessen Rolle in einer Form übernimmt, die sich auf der Ausdrucksebene als homologes Verhalten zeigt. Hoffman hat solches Verhalten als Proto-Empathie bezeichnet. Ein derartiger Ansatz, der Simulation als Basis annimmt, erweist sich allerdings auch als problematisch, weil er die frühen Befunde beim Kind nicht hinreichend zu erklären vermag. Möglicherweise sind altersbedingt unterschiedlich entwickelte Verfahren anzunehmen, etwa beim Kleinkind das sogenannte „cross-modal matching“ als Abgleich zwischen dem, was das Baby sieht, und dem, was es selbst tut.
Bei der Boxveranstaltung wie auch im Kinosaal – d.h. außerhalb der direkten dyadisch eingeschränkten (face-to-face) Kommunikation – lässt sich Motor mimicry als mimisch-gestische Bewegungsaktivität („Mitgehen“) des Publikums in Reaktion auf gezeigte Handlungen beobachten. Auch das Beifallklatschen kann z.T. mit dem Phänomen der Motor mimicry zusammengebracht werden.

Literatur: Hoffman, Martin: The contribution of empathy to justice and moral judgement. In: Eisenberg, Nancy / Strayer, Janet (eds.): Empathy and its development. New York: Cambridge University Press 1987, S. 47-80. – Wallbott, Harald G.: Congruence, contagion, and motor mimicry: mutualities in nonverbal exchange. In: Marková, Ivana / Graumann, Carl F. / Foppa, Klaus (eds.): Mutualities in dialogue. Cambridge / New York: Cambridge University Press 1995, S. 82-100.

Referenzen