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Multiplex-Kinos

auch: Megaplex-Kinos

Komfortabel ausgestattete Kinocenter mit mindestens acht Sälen und 1.600 Sitzplätzen. Die größten Kinozentren dieser Art werden manchmal Megaplexe genannt. Multiplex-Kinos mit drei bis sechs Leinwänden entstanden in den 1960er Jahren, als die Kinos in den USA an Shoppingcenter in den Vorstädten angelagert wurden. Erste Multiplex-Kinos im engeren Sinne eröffneten 1976 in den USA. Das erste ausgewiesene Cineplex-Center entstand 1979 in Toronto mit 1.700 Sitzplätzen in 18 Sälen, perfekter Tonqualität und optimalen Sitzen. In Deutschland wurde das erste Multiplex-Kino 1990 in Hürth bei Köln eröffnet; ein vergleichbares Kinozentrum dieser Art entstand 1991 in Essen unter dem Namen CinemaxX. Seitdem öffneten in der BRD bis Ende 2001 insgesamt 138 Multiplexe mit 1.250 Leinwänden (Marktanteil 2001: 48,4%). Multi- und Megaplex-Kinos erlauben eine effizientere Bespielung, da die Größe des Saales wöchentlich und bisweilen sogar täglich dem Zuschaueraufkommen angepasst und ein Film so lange in kleinere Säle weitergereicht werden kann, bis sein kommerzielles Potenzial ausgeschöpft ist. Multiplex-Kinos produzieren zudem vorteilhafte spill-over-Effekte: Da sie schon einmal da sind, wählen Besucher, die bei einem Film keinen Platz finden, einen anderen aus, der ursprünglich nicht auf ihrem Programm stand. Andererseits wirken sich Multiplex-Kinos negativ auf die Diversität des Filmangebots im Ganzen aus: Sie spielen in der Regel keine Arthouse- und Independent-Filme, nehmen aber den Innenstadt-Kinos, die solche Filme anbieten, einen Teil ihres Publikums weg. Betrug die Gesamtanzahl der Kinos in den USA in der klassischen Ära zwischen 16 000 und 18 000, so sank diese Zahl Mitte der 60er Jahre auf 14 000. Im Zeitalter der Megaplex-Kinos stehen in den USA allein für die Kinoauswertung mehr als 35 000 Leinwände zur Verfügung. Andererseits stehen nur rund ein Drittel so viele Sitzplätze zur Verfügung wie vor 1950.
Multiplex-Kinos verstehen sich selbst als Freizeitzentren und sind umgeben von Restaurants, Bistros, Spielhallen, Fanartikelläden und ähnlichem. Ein wesentlicher Teil des Einspiels der Kinos (20%) resultiert aus Nebengeschäften wie dem Getränke-, Popcorn- und Süßwarenverkauf. Die Kinos erwirtschaften eine Auslastung von deutlich über 30%.

Literatur: Ulrich Pätzold / Horst Röper: Multiplexe. Formen und Folgen eines neuen Kinotyps. Düsseldorf: Filmstiftung Nordrhein-Westfalen 1995. – Arns, Adolf: Erlebnis – Kommunikation – Konsum. Zehn Jahre Multiplex-Kinos in Deutschland. In: Die alte Stadt 28,3, 2001, S. 247-262.