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Mutterdrama

engl.: maternal melodrama

Von den 1910er bis in die 1960er Jahre eine Variante des melodramatischen Frauenfilms, in der die Opferrolle der Frau mit ihrer Rolle als Mutter gekoppelt ist: Schmerz und Verzicht erscheinen als ihre naturwüchsige Pflicht, deren masochistische Erfüllung die Frau für entgangene Lebensfreuden entschädigen soll. In der Inszenierung solcher Stoffe kommt es zwar gelegentlich zu selbstbestimmtem weiblichen Handeln und besonders im Fall von Mutter-Tochter-Dyaden zum Aufbau positiver, expatriarchaler weiblicher Beziehungen; doch solche Erscheinungen sind allenfalls Nebenprodukte eines regressiv-konservativen Grundkonzepts. Die Frauenbewegung, das Aufkommen des Feminismus und die wachsende Zahl von Regisseurinnen, die den weiblichen Standpunkt autonomer und authentischer formulierten, hat es dem Mutterdrama schwergemacht, sich ungebrochen weiter zu entfalten.

Beispiele: Applause (USA 1929, Rouben Mamoulian); Mutterliebe (Deutschland 1939, Gustav Ucicky); Mildred Pierce (USA 1945, Michael Curtiz); Imitation of Life (USA 1959, Douglas Sirk).