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neo-eiga

Hybridkompositum aus engl. neo- (von griech. neos- „neu, jung“) + japan. eiga „Film“. Ausdruck für den sogenannten „Neuen japanischen Film“ der späten 1990er Jahre und insbesondere seit der Jahrtausendwende

Ursprünglich der Titel für eine seit 2000 am Pacific Film Archive im kalifornischen Berkeley gezeigte Präsentation japanischer Filme, übernimmt der Ausdruck immer mehr generische Funktion zur Bezeichnung einer spezifisch japanischen, um Unabhängigkeit bemühten Mischung von dokumentarischen und fiktionalen Erzählweisen, die sehr persönlich gefärbte, behutsam andeutende und Details fokussierende Mikrogeschichten gegen konventionelles, effektzentriertes Actionkino, Politsagas und global-beliebige Verwässerung von (kulturellen wie individuellen) Identitäten anbietet. So wird etwa in Manzan Benigaki (Red Persimmons, 2001) der Chinesin Xiaolian Peng, die auf dokumentarisches Material aus den 1980er Jahren von dem 1992 verstorbenen Shinsuke Ogawa zurückgreift, die aussterbende Kultivierung der japanischen Persimonen-Früchte, das Beharrungsvermögen der dörflichen Bauern und Händler und ihre technologische Versiertheit geschildert. International am bekanntesten dürften die Regiearbeiten Hirokazu Kore-edas sein, der in Filmen wie Maboroshi no hikari (Maboroshi – Das Licht der Illusion, 1995), Wandafuru raifu (After Life – Nach dem Leben, 1998) oder Dare mo shiranai (Nobody Knows, 2004) sich langsam entwickelnde, detailreiche und emotional intensive Mikrosoziologien entfaltet. Bezüge auf die die spezifisch japanische Tradition des Filmemachens, insbesondere auf das Werk Yasujiro Ozus (1903-1963), sind unübersehbar.

Literatur: Gerow, Aaron: Maintaining a colorful distance in recent Japanese film. In: Neo-eiga: new Japanese cinema (official pamphlet of the film series held at the Pacific Film Archives in October 2000); – Ders.: An individual mix of documentary and fiction. In: ebd. (September 2001);.

Materialien: Filmreihe am Pacific Film Archive (Berkeley, Cal.);