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Neuer Schweizerfilm

auch: Neuer Schweizer Film; engl.: New Swiss Cinema

Aufbruchbewegung im schweizerischen Filmschaffen, als deren Beginn 1964, das Jahr der Landesausstellung in Lausanne, gilt. Erste Impulse finden in der Romandie statt – ausgelöst durch die französische Nouvelle Vague –, während die Deutschschweiz eher auf den Jungen deutschen Film reagiert. Junge Regisseure opponieren gegen ein als konformistisch verstandenes Kino der Väter, hinterfragen und karikieren nationale Mythen (wie die „geistige Landesverteidigung“) und treten für Filme ein, die sich inhaltlich, stilistisch und moralisch näher an der Realität bewegen. Allerdings sind die Filmemacher mit schwierigen Produktionsbedingungen konfrontiert; viele drehen Kurzspiel- oder viel beachtete Dokumentarfilme, anderen gibt das junge Fernsehen Arbeitsmöglichkeiten, manche wandern ins Ausland ab. Es entstehen Spielfilme mit zuweilen deutlich didaktischer Absicht: Milieu- und Charakterstudien mit Anspruch auf Gesellschafts- und Systemkritik, aber auch neue Heimatfilme mit herbem Tonfall, die eine neue Sicht auf die schweizerische Befindlichkeit entwerfen und unbequeme Fragen zur innen- und außenpolitischen Vergangenheit der Schweiz stellen.

Beispiele: Siamo Italiani: Die Italiener (1964, A. Seiler et al.); Charles mort ou vif (1969, Alain Tanner); Sad-is-faction (1969, Fredi M. Murer); L‘Invitation (1973, Claude Goretta); Die Erschießung des Landesverräters Ernst S. (1976, Richard Dindo); Petites Fugues (1978, Yves Yersin); Das Boot ist voll (1980, Markus Imhof).

Literatur: Film in der Schweiz. München: Hanser 1978. – Portmann, Stephan: Der neue Schweizer Film (1965-1985). Ein Studienbericht zur Analyse ausgewählter Spiel- und Dokumentarfilme. Freiburg (Schweiz): Universitäts-Vlg. 1992.

Referenzen