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Nitrofilm

auch: Nitratfilm; engl.: nitrate film

Ein Filmträgermaterial, das aus einem Stickstoffcelluloseester besteht. Nitrofilm wurde von Eastman Kodak Co. im Jahre 1889 zur kommerziellen Verwertung entwickelt und knapp drei Jahre später im ersten Edison Kinetoscope eingesetzt. Zwischen 1895 und ca. 1950 werden alle kommerziellen 35mm-Filme auf Nitrofilm produziert, obwohl schon in der Frühzeit des Kinos die sehr hohe Feuergefahr erkannt worden war und zu tötlichen Unfällen geführt hatte. Erst als Kodak einen 35mm-Tri-Azetat-Film entwickelte, der alle Eigenschaften des Nitrofilms (abgesehen von seiner Feuergefahr) hatte, vorstellte, stellte sich die Filmindustrie um. In der Sowjetunion wurde Nitrofilm bis in die 1960er Jahre hinein verwertet.
Der Film wird als Proxylinekunststoff hergestellt, indem Baumwolle- oder Holzfäden zunächst in ein Bad aus Schwefel- und Nitratsäure getaucht, dann mit verschiedenen Lösungsmitteln, Weichmachern und Flammenhemmern präpariert werden. Es entsteht die Verbindung C6H9O5(NO2), die dem Sprengstoff Dynamit verwandt ist. Brennender Nitrofilm kann nicht gelöscht werden, da er genug Sauerstoff enthält, um auch unter Wasser weiter zu brennen. Als Abgas entsteht Stickstoffoxid, welches schon in kleinen Mengen zur Erstickung führen kann.