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perception shot

dt. etwa: Wahrnehmungseinstellung

Von Edward Branigan seinerzeit eingeführte Bezeichnung für alle Einstellungen, die eine mentale oder emotionale Subjektivität ausdrücken und dabei keine POV-Shots sind. Perception ist sowohl auf äußere Wahrnehmungen wie auch auf innere Selbstwahrnehmungen der Figur zu beziehen. Es lassen sich verschiedene Typen unterscheiden, die sämtlich im konventionellen Kino kontextabhängig sind.
reflection shot: die Figur projiziert sich an einen anderen Standort innerhalb der gleichen Szenerie, um sich selbst oder sein Objekt von einem ungewöhnlichen Standpunkt aus sehen zu können;
projection shot: das Erleben der Figur wird metaphorisch umgesetzt; im Einzelfall ist oft nicht zu unterscheiden, ob es sich um eine Bildphantasie subjektiver Herkunft oder um eine extradiegetische Stellungnahme der Narration handelt; ein Beispiel sind anbrandende Wellen als Symbolisierung der sexuellen Erregung während des Beischlafs;
flashback, flashforward, flashinward: Wiedergabe von Vergangenem, Zukünftigem und Gleichtigem aus der Sicht einer Figur;
mental state shot: alle Abweichungen vom Normalzustand der Wahrnehmung – als Traum, Vision, Tagtraum, Phantasie, als Rausch- und Drogenerfahrung u.ä.m. – können mimetisch oder metaphorisch, oft durch Deformationen des normalen Bildes wiedergegeben werden;
mirror shot: sieht sich eine Figur im Spiegel (und sieht der Zuschauer diese Tatsache), kann die Spiegelung ein Mittel sein, nicht nur das narzisstische Verhältnis der Figur zu sich selbst, sondern auch ein Verfahren, mit dem Persönlichkeitsstörungen ausgedrückt werden.

Literatur: Branigan, Edward R.: Point of View in the Cinema. A Theory of Narration and Subjectivity. New York: Mouton 1984.

Referenzen