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Perspektive, optische

Der Begriff der Perspektive ist der zentrale Begriff der projektiven Geometrie, in der zwischen der Parallelperspektive und der Zentralperspektive unterschieden wird, wobei erstere als Spezialfall der letzteren gelten kann. Bildtheoretisch wichtig sind insbesondere die optischen perspektivischen Effekte wie die Illusion eines dreidimensionalen Raumes auf einer zweidimensionalen Ebene. Solche perspektivischen Bilder von Gegenständen ergeben sich aus der Zentralprojektion. Hierbei werden von einem Projektionszentrum ausgehend Punkte derart auf eine Ebene projiziert, dass jeder abgebildete Punkt auf einer Linie mit dem Projektionszentrum und den abzubildenden Punkten liegt.
In der Malerei wurden die Grundsätze der Perspektive in der Renaissance (vor allem von Brunelleschi, Alberti, Leonardo da Vinci und Dürer)entwickelt. Im Unterschied zu dem im Mittelalter üblichen Verfahren der sogenannten Bedeutungsperspektive, bei der die Größe der Personen durch ihre gesellschaftliche oder sakrale Bedeutung bestimmt wurde, intendierten sie einen perzeptuellen Realismus, der sich in Praxis und Theorie durchsetzte und seine Verbindlichkeit erst im 19. Jahrhundert mit Cézanne verlor. Der Vergleich der unterschiedlichen Verfahren der Perspektivendarstellungen hat in der kunstgeschichtlichen Forschung (insbesondere bei Panofsky) zur These geführt, dass auch die Perspektive eine konventionelle Form ist. Sicherlich richtig ist, dass die Wahl der Darstellungsform konventionell ist. Ebenfalls unstrittig ist, dass die mathematischen Verfahren der projektiven Geometrie nicht konventionell sind. In Frage kann daher nur stehen, in welchem Maße sich interkulturelle Differenzen aus der Unterscheidung von perspektivischer Darstellung einerseits und perspektivischem Sehen andererseits ergeben. Eine radikal konventionalistische Sicht hat Goodman vertreten, eine Kritik dieser Auffassung liefert insbesondere Rehkämper.

Literatur: Goodman, Nelson: Languages of Art. An Approach to a Theory of Symbols. Indianapolis: Hackett 1968. Dt.: Sprachen der Kunst. Entwurf einer Symboltheorie. Frankfurt: Suhrkamp 1997. – Kemp, Martin: The Science of Art. Optical Themes in western art from Brunelleschi to Seurat. New Haven/London: Yale University Press 1990. – Panofsky, Erwin (1927): Die Perspektive als ‚symbolische Form‘, in: Vorträge der Bibliothek Warburg 1924/25, Leipzig/Berlin 1927, S. 285-330. Auch in: Aufsätze zu Grundfragen der Kunstwissenschaft. Hrsg. v. Hariolf Oberer u. Egon Verheyen. Berlin: Spiess 1998, S. 99-167. – Rehkämper, Klaus: „Perspektive ist des Malers beste Kunst“. Einige Bemerkungen zur Theorie der Perspektive kritisch betrachtet. In: Logos NF 2,2, 1995, S. 122-146. – Rehkämper, Klaus: Bilder, Ähnlichkeit und Perspektive. Auf dem Weg zu einer neuen Theorie der bildhaften Repräsentation. Wiesbaden: Deutscher Universitätsverlag 2002 (Reihe Bildwissenschaft. 9.).