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Phantastik

Im Gegensatz zur Science Fiction und zur Fantasy beruht die Phantastik auf einer Verletzung fundamentaler Annahmen des Realitätsbegriffs der westlichen Zivilisation. Dabei wird mindestens eine Figur der dargestellten Welt durch jene Phänomene, die gegen diese Realitätsannahmen verstoßen, in ihrem Bewusstsein und/oder ihrem Verhalten erschüttert. Realitätsinkompatible Phänomene liegen dann vor, wenn nicht nur unwahrscheinliche, sondern, gemessen am Realitätsbegriff der westlichen Kultur, unmögliche Geschehnisse auftreten. So z.B., wenn elementare Annahmen über den Raum (wie Dreidimensionalität), die Zeit (wie deren Unumkehrbarkeit) und die Materie (wie die Sterblichkeit biologischer Körper oder die ausschließlich auf physikalischen Kräften basierende Einwirkung auf sie) verletzt werden. Charakteristisch für die Phantastik ist, dass die dem Realitätsbegriff widersprechenden Phänomene hinsichtlich ihres Status unentscheidbar sind, d. h. es gibt keine übergeordnete Instanz, die sie als bloße Wahnvorstellungen einer Figur ausweist oder, wie in der Fantasy, als wirklich real setzt. Typische Motive und Themen des phantastischen Kinos sind die Zeitreise, das Erscheinen von Hexen, Zombies und Vampiren sowie die Teufelsaustreibung. Phantastische Phänomene treten im Horrorfilm auf, artikulieren sich häufig als übersinnlicher Horror, und die Erschütterung des Bewusstseins kann sich bis zum Identitätsproblem ausweiten.

Beispiele: Der müde Tod (Deutschland 1921, Fritz Lang); Vampyr (Frankreich/Deutschland 1931, Carl Theodor Dreyer); Stalker (UdSSR 1979, Andrej Tarkowskij).

Literatur: Ivanović, Christine / Lehmann, Jürgen / May, Markus (Hrsg.): Phantastik – Kult oder Kultur? Aspekte eines Phänomens in Kunst, Literatur und Film. Stuttgart [...]: Metzler 2003. – Palumbo, Donald (ed.): Eros in the mind's eye. Sexuality and the fantastic in art and film. New York [...]: Greenwood Press 1986. – Philological Papers 42/43, 1997: [Spec. Issue:] The fantastic and related genres and revising the canon. Culture and pop culture. Ed. by Marilyn Bendena.