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photo bombing

dt. etwa: Photoanschlag, Anschlag auf ein Photo; gelegentlich auch dt.: Photobombing

(1) Viele öffentliche Auftritte von Personen der Politik, des Sports oder der Unterhaltungskultur sind als Rituale inszeniert: Die Personen arrangieren sich zu Posen für die anwesenden Photographen, die ihrerseits ganze Serien von Bildern machen. Die Filmgeschichte ist voll von derartigen Szenen; man denke etwa an die Ankunft Anita Ekbergs in Federico Fellinis La dolce vita (Italien 1960), wenn sie noch auf dem Gangway zahlreiche Posen einnimmt, exaltiert lachend, momentan unterbrochen, wenn sie einen Photographen zurechtweist. Als photo bombing bezeichnet man die Aktionen von Privatpersonen, die sich in diese so rituellen Posen einmischen und in den Vordergrund drängen. In Cannes etwa schlüpfte ein Photo-Bomber auf dem roten Teppich vor dem Festivalpalast unter das Kleid von America Ferrera (am 17.5.2014) und musste von Sicherheitskräften entfernt werden. Derartige Aktionen tragen Züge des Happenings und der expliziten Störung der symbolischen Ordnung, der in derartigen Posenbildern zum Ausdruck kommt. Auch andere Formen des öffentlichen Auftretens sind vor symbolischen Störungen nicht sicher: Besondere Aufmerksamkeit bekam ein schwarzer Gebärden-Dolmetscher, der auf den Mandela-Trauerfeiern (10.12.2013) neben dem amerikanischen Präsidenten stand und dessen Rede in eine erfundene Taubstummensprache übersetzte.

(2) Vor allem im Showgewerbe schmuggeln sich Kollegen in Arrangements für Pressephotos ein, die nicht für sie gemacht sind. Es adressiert die eigentlichen Hauptfiguren der Photo-Session, aber auch den Betrachter des gestörten Bildes (das eine eigene öffentliche Verbreitung bekommt) und ist eine scherzhafte Selbstthematisierung des celebrity circus, ein Hinweis auf die Kumpanei der Akteure, aber auch Teil der Selbstinszenierung des Bombers. Wenn sich Jack Black grinsend in ein Posenbild Angelina Jolies einschleicht (so geschehen während einer Presseversammlung zur Uraufführung des Films Kung Fu Panda auf dem Cannes Film Festival 2008), so ist dies auch ein Seitenauftritt Jack Blacks in seinem öffentlichen Rollenbild. Darum auch finden sich im Internet mehrere Plattformen, die derartige Bilder von Stars sammeln und so einen weiteren Kanal des Star-Marketings bedienen.

(3) Entstanden ist die Praxis des photo bombings wohl in den USA als Nutzungsform der Smartphone-Photographie, so die Momenthaftigkeit der Aufnahmen betonend. Außerdem gehören photo bombings im privaten Raum einer Kommunikation aller Beteiligten an, adressieren die Dargestellten wie den Photographen gleichermaßen, thematisieren insbesondere Differenz zwischen dem gelebten Moment und seiner Verdauerung im Photo.