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politisches Klima

Das Motiv lässt absichtlich viele Bedeutungen zu und ermöglicht es, ein ansonsten nur schwer beschreibbares Phänomen zu fassen. Es geht um Atmosphärisches, um kollektive Haltungen und mehr oder weniger bewusste Einstellungen, die auf eine (vergangene oder gegenwärtige) politische Realität rückschließen lassen – sei es auf der Ebene der Produktionszeit eines Films oder auf der Ebene der dargestellten Epoche. Im Zentrum steht ein metaphorisches Klima, das sich in einer Stimmung der Angst, einem Gefühl der Paranoia, einer Tendenz der Selbstüberwachung, einer gesteigerten Bereitschaft zur Gewalt, einer Ahnung um das Verbotene oder aber in euphorischer Aufbruchstimmung äußern kann. Als Beispiele wären die McCarthy-Ära in den USA, die Adenauer-Ära in der Bundesrepublik, Tauwetter und Perestrojka in der Sowjetunion, der „Prager Frühling“, der „Deutsche Herbst“, Pinochets Chile, Castros Kuba oder Khomeinis Iran zu nennen.

Beispiele: Popol i diamant (Polen 1958, Andrzej Wajda); Una giornata particolare (Italien 1977, Ettore Scola); Das Boot ist voll (Schweiz 1980, Markus Imhoof); Die innere Sicherheit (BRD 2000, Christian Petzold).