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Postkolonialismus

Der Übergang in die Suche nach eigenen kulturellen und ästhetischen Ausdrucksformen erfolgt in vielen Ländern erst Jahre nach dem Ende der Kolonialreiche. Seit Beginn der 1980er Jahre entstanden in Afrika einige Filme, die versuchten, neue visuell-poetische Narrationsformen zu entwickeln, um Besonderheiten afrikanischer Völker und Kulturen zu beschreiben, so z.B. im Senegal, der u.a. einen international renommierten Regisseur postkolonialer Filme wie Ousmane Sembene (*1923) hervorgebracht hat, der ‚Dokumentarfilm‘ Reassemblage (USA 1982) der in Vietnam geborenen Amerikanerin Trinh T. Minh-ha sowie Filme wie Wend kuuni (Burkina Faso 1982, Gaston Kaboré), Yeelen (Mali/Burkina Faso/Frankreich/BRD 1987, Souleymane Cissé) und Sankofa (Burkina Faso/BRD/Ghana/USA/Großbritannien 1993, Haile Gerima).
Der Postkolonialismus befasst sich aber nicht nur mit kulturellen Ausdrucksformen und Erzählweisen in den modernen Medien, sondern auch mit „Fremdheit“ als einem innergesellschaftlichen Problem – die eigene Gesellschaft erweist sich als soziales Gebilde, das ebenfalls Ausgrenzung und Unterdrückung, tarnende Anpassungen und Unterwerfungen kennt. La Haine (Frankreich 1995) von Mathieu Kassovitz zeigt etwa das Leben multikultureller Jugendlicher in den französischen Vorstädten. Die IRA-Problematik behandeln aus einer postkolonial interpretierbaren Perspektive heraus The Crying Game (Großbritannien/Japan 1992, Neil Jordan) und In the Name of the Father (Irland/Großbritannien 1993, Jim Sheridan). Versuche zu alternativen Lebensstilen in den Kräftefeldern postmoderner Machtverhältnisse sind in so unterschiedlichen Werken wie Stephen Frears My Beautiful Laundrette (Großbritannien 1985) und Derek Jarmans The Garden (Großbritannien/BRD 1990) als postkoloniale Alterität angesprochen worden. Einen fremden New Yorker Blick auf die Suche von fünf amerikanischen und bolivianischen Jugendlichen nach Liebe, Sex, Identität und Lebensperspektive schildert Dependencia sexual – Sexual Dependency (Bolivien/USA 2003, Rodrigo Bellott). Und schließlich ist auch ein Mainstream-Film wie The English Patient (USA 1996, Anthony Minghella) im Anschluss an den gleichnamigen Roman von Michael Ondaatje, der aus Sri Lanka stammt, postkolonialen Lesarten unterzogen worden.

Literatur: Chow, Rey: Primitive passions: visuality, sexuality, ethnography, and contemporary Chinese cinema. New York: Columbia University Press 1995, S. 173-202. – Harrow, Kenneth W. (ed.): African cinema: postcolonial and feminist readings. Trenton, NJ: Africa World Press 1999. – Kohn, Nathanel / Lee, Y.S.: Faces/Off: Challenges to postcolonial theory along the Hong Kong-Hollywood axis. In: Cultural Studies/Critical Methodologies 1,3 (2001), S. 335-354.

Referenzen