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Prag-Film

Die Prag‑Film AG war eine deutsche Filmproduktionsgesellschaft, die von 1941 bis 1945 bestand und ihren Sitz im besetzten Prag hatte. Sie diente nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei als wichtigste Vertretung der Interessen der Reichs‑Kinematografie im „Protektorat Böhmen und Mähren“. Gegründet wurde die Gesellschaft am 21.11.1941; sie übernahm die Produktionseinrichtungen der tschechoslowakischen AB‑Filmfabrikations AG (darunter die Ateliers in Barrandov und Hostivar). Nach Gründung der Ufa‑Film GmbH (UFI) am 10.1.1942 wurde sie in den Staatskonzern einverleibt und behielt nur noch formale Selbstständigkeit. Zu den Filmen der Prag-Filmen zählen Liebe, Leidenschaft und Leid (1942/43, Josef Alfred Holman), Das schwarze Schaf (1943, Friedrich Zittau [d.i. Miroslav Cikán]) und Schicksal am Strom (1942-44, Heinz Paul). Neben der Spielfilm-Abteilung produzierte die Prag-Film propagandistisch gefärbte Kulturfilme (das Studio leitete der Dokumentarfilmer Kurt Rupli) sowie ein Zeichentrick-Studio (geleitet von Horst von Möllendorf); der Kurzfilm Hochzeit im Korallenmeer (1943, Horst von Möllendorff) gilt heute als Pionierwerk des tschechischen Animationsfilms, obwohl er unter deutscher Besatzung realisiert wurde – allerdings arbeiteten in Möllendorfs Studio ausnehmend viele Tschechen.

Literatur: Dvoráková, Tereza: Prag‑Film AG 1941‑1945. Im Spannungsfeld zwischen Protektorats‑ und Reichs‑Kinematografie. München: Ed. Text und Kritik 2008.