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Primitive

oft frz.: cinéma primitif

Dieser pejorative Begriff entsteht aus einer telelogischen Sicht des klassischen Kinos auf die Frühzeit, um die Pioniere des Films als primitiv abzustempeln. Dabei bewerteten einige Avantgardisten der 1920er Jahre „die Primitiven“ durchaus positiv, weil sie das Experiment nicht gefürchtet hatten. So schrieb Oswald Blakeston in der Zeitschrift Close-Up: „Zurück zu den Primitiven, denn das Kino läuft die Gefahr, seine Virilität im kinematographischem Idiom zu verlieren“ (1932). Doch in der Filmgeschichtsschreibung der klassischen Zeit, ob bei Sadoul oder Patalas, wurde die Frühzeit (bis etwa 1915) als Vorstufe des eigentlichen Kinos charakterisiert. Erst mit der bahnbrechenden FIAF-Tagung in Brighton im Jahre 1978, die die Zeit von 1900 bis 1905 unter die Lupe nahm, trat eine junge Generation von Historikern auf, die den Begriff ‚Primitive‘ als Telos ablehnen und stattdessen den frühen Film bzw. die Frühzeit des Kinos als eigenständige Phase der Film- und Kino-Geschichte untersuchen.

Referenzen