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Schock-Effekt

Insbesondere in Horrorfilmen, Thrillern und Kriminalfilmen ist der Schock-Effekt ein beliebtes Mittel, um Spannung zu erzeugen bzw. emotionale Spannungszustände in körperliche Reaktionen zu überführen. Auslösendes Moment mögen dabei unerwartete Ereignisse wie eine plötzlich auftauchende Bedrohung, eine überraschend eintretende Begebenheit oder rein formale Geschehnisse (wie Lautstärkeänderungen, Lichtwechsel etc.) sein. Das Erschrecken, das derartige Schock-Momente hervorrufen soll, ist psychisch und physisch nicht steuerbar. Es verhilft dem Zuschauer zu einer somatischen Erfahrung, die über das bloß rationale Erfassen des Films als Erzählkonstrukt hinausgeht. Die Arbeit mit Schock-Effekten wird deshalb auch als authentisierende Strategie in nicht-phantastischen Filmen genutzt, weil sie die Distanz zwischen dem Zuschauer(körper) und dem Film(raum) scheinbar überwindet.
Den somatischen Mehrwert betont das Horror- und Thrillerkino als „Nervenkitzel“ schon in seiner Werbung für Filme. Nicht selten werden gerade im billig produzierten B- und C-Horrorfilm andere filmästhetische Mittel nur rudimentar ausgebaut, während auf die Produktion von Schock-Effekten größte Mühe verwandt wird (etwa im Splatter-Film).
Vor allem ab den 1990er Jahren ist die Filmtheorie auf die somatischen Effekte von Filmen (zu denen Linda Williams neben dem Schock auch das Weinen und die sexuelle Erregung zählt) aufmerksam geworden. In der Folge der Kultur-Theorien des frühen 20. Jahrhunderts von Sigmund Freud („Reizschutz“), Georg Simmel („Blasiertheit“), Walter Benjamin („Chok“) und der Psychoanalyse (etwa Michael Balints „Angstlust“) hat sich die jüngere Affekttheorie vor allem auf die psycho-physische Prädisposition des Mediennutzers konzentriert und den Schock-Effekt in eine Medienrezeptionstheorie einzuarbeiten versucht.

Literatur: Williams, Linda: Hard-Core. Macht, Lust und die Traditionen des pornographischen Films. Frankfurt: Stroemfeld 1995. – Balint, Michael: Angstlust und Regression. Stuttgart: Klett 1959; repr. Reinbek: Rowohlt 1972. – Shaviro, Steven: The Cinematic Body. Minneapolis: University of Minnesota Press 1993. – Mikunda, Christian: Kino spüren. Strategien der emotionalen Filmgestaltung. München: Filmland Presse 1986; repr. Wien: WUV-Universitätsvlg. 2002.

Referenzen