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Sehen-in

Der Ausdruck „Sehen-in“ stammt von Richard Wollheim und bezeichnet einen speziellen, die Bildwahrnehmung charakterisierenden Wahrnehmungsmodus. Die Bildwahrnehmung zeichnet sich danach dadurch aus, dass wir etwas „in etwas“ sehen. Sie enthält nach Wollheim notwendig zwei Komponenten: Die Wahrnehmung des als Bild geltenden Gegenstandes als Oberfläche und die Wahrnehmung eines weiteren Gegenstandes oder Sachverhaltes „in“ dieser Oberfläche. Hierbei ist vorausgesetzt, dass beide Komponenten beständig bewusst bleiben, auch wenn der Betrachter auf einen dieser Aspekte fokussiert (vgl. Hopkins 1998, 15-20). Diese Eigenschaft der Bildwahrnehmung hat Wollheim als Twofoldness bezeichnet. Sie wird oft der Gombrich zugeschriebenen Illusionstheorie gegenübergestellt. Gombrich hatte in Art and Illusion die Bildwahrnehmung in Zusammenhang mit dem Aspektsehen erläutert und wie beim Hasen-Enten-Bild gefolgert, dass der Betrachter (wie er entweder nur den Hasen oder die Ente sehen kann) entweder nur die Oberflächenstruktur oder aber diese als etwas anderes wahrnimmt (vgl. Gombrich 1960, 6). Gegen die Twofoldness-Bedingung wird eingewendet, dass sie den Unterschied zu anderen Formen der Wahrnehmung nicht plausibel machen kann und daher keine inhaltliche Aussage darüber trifft, in welcher Weise Bilder abbilden (vgl. Lopes 1996, 43-51).

Literatur: Gombrich, Ernst H.: Art and Illusion. A Study in the Psychology of Pictorial Representation. Princeton, NJ: Princeton University Press 1960. – Hopkins, Robert: Picture, Image and Experience. Cambridge: Cambridge University Press 1998. – Lopes, Dominic: Understanding Pictures. Oxford: Clarendon Press 1996. - Wollheim, Richard: Art and its Objects. 2nd ed. with six supplementary essays. Cambridge: Cambridge University Press 1980. Dt.: Objekte der Kunst. Frankfurt: Suhrkamp 1982.