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shock cut

Bildhafter Ausdruck für Bildübergänge, die eine Art von Wahrnehmungs-Schock verursachen. Zum Teil ist er formal bedingt – etwa durch extreme Differenzen der Kameradistanzen, wenn wie in Geronimo: An American Legend (1993, Walter Hill) von weiten Landschaftsaufnahmen stufenlos auf Detail- oder Großaufnahmen umgeschnitten wird. Zum Teil ist er sowohl formal wie inhaltlich verankert – durch Übergangs-Überraschungen in einem weiteren Sinne etwa, wie sie bei manchen match cuts angestrebt sind (wie die Handlungs- und Bewegungsparallelen der drei Protagonistinnen am Anfang von The Hours, 2002, Stephen Daldry). Zum Teil ist der Schock durch den Inhalt verursacht; ein Beispiel ist der berühmte Umschnitt von einer Putzfrau, die eine Leiche gefunden hat und einen Schrei ausstößt, auf eine Lokomotive, die mit einem grellen Pfiff in einen Tunnel rast (in The Thirty-Nine Steps, 1935, Alfred Hitchcock). Auch der plötzliche und unangekündigte Umschnitt auf eine subjektive Aufnahme kann schockartige Effekte auslösen; ein Beispiel ist wiederum Hitchcock, der in The Birds (1963) schockartig auf das Gesicht eines toten Farmers umschneidet, dem die Tiere die Augen ausgehackt haben; einen ähnlichen Eindruck erweckt Orson Welles in Touch of Evil (1958), als die Frau aus dem Drogenrausch erwacht und über sich den erdrosselten „Onkel Joe Grandi“ hängen sieht – auch hier ist die Subjektive ebenso wie der Tod Grandis unangekündigt und effektvoll.